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Apidae | = Apidae (Echte Bienen) = | ||
Die '''Apidae''', im Deutschen als '''Echte Bienen''' bezeichnet, sind die weltweit größte und ökologisch vielfältigste Familie innerhalb der Überfamilie der Bienen (Apoidea). Sie gehören zur Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera). Zur Familie zählen prominente Vertreter wie die Honigbienen, Hummeln, Holzbienen und Orchideenbienen, aber auch eine Vielzahl weniger bekannter solitärer Gruppen sowie Kuckucksbienen. | |||
Die Systematik der Apidae wurde Ende des 20. Jahrhunderts stark erweitert. Während früher unter dem Begriff „Apidae“ oft nur die staatenbildenden Bienen (wie Honigbienen und Hummeln) verstanden wurden, umfasst die Familie heute auch Gruppen, die früher als eigenständige Familien (z. B. Anthophoridae) geführt wurden. | |||
== Merkmale und Aussehen == | |||
Die Apidae variieren in ihrer Größe und ihrem Erscheinungsbild extrem – von winzigen, fast haarlosen Arten (wenige Millimeter) bis hin zu den imposanten, bis zu 3 cm großen Holzbienen. | |||
=== Morphologie === | |||
* '''Mundwerkzeuge:''' Alle Apidae gehören zu den „Langzungenbienen“. Das Labium (Unterlippe) ist verlängert, was ihnen ermöglicht, Nektar aus tiefen Blütenkelchen zu saugen. | |||
* '''Behaarung:''' Die Körperbehaarung ist charakteristischerweise gefiedert oder verzweigt, was den Transport von Pollen erleichtert. | |||
* '''Pollen-Transportapparat:''' Viele Gruppen (besonders die Triben Apini, Bombini, Meliponini und Euglossini) besitzen an den Hinterbeinen eine '''Corbicula''' (Pollenkörbchen). Dies ist eine glatte, von Haarsäumen eingefasste Fläche, in der feuchter Pollen effizient transportiert werden kann. Andere Gruppen (wie die Xylocopinae) nutzen eine Scopa (Haarbürste) am Hinterbein. | |||
* '''Flügelgeäder:''' Die Vorderflügel weisen meist drei (selten zwei) Cubitalzellen auf, was ein wichtiges Merkmal zur Unterscheidung von anderen Bienenfamilien ist. | |||
== Verbreitung und Lebensraum == | |||
Echte Bienen sind weltweit auf allen Kontinenten verbreitet, mit Ausnahme der Antarktis. Ihre größte Artenvielfalt erreichen sie in den Tropen und Subtropen, doch Hummeln beispielsweise sind bis in die arktischen Regionen und Hochgebirge vorgedrungen. Sie besiedeln nahezu jeden Lebensraum, in dem blühende Pflanzen vorkommen – von Wüsten über Regenwälder bis hin zu urbanen Gärten. | |||
== Lebensweise und Sozialstruktur == | |||
Die Vielfalt der Lebensweisen innerhalb der Apidae ist einzigartig im Tierreich: | |||
# '''Eusozial:''' Die bekanntesten Vertreter, wie die Westliche Honigbiene (''Apis mellifera'') und stachellose Bienen, leben in hochkomplexen Staaten mit Königin, Arbeitern und Drohnen. | |||
# '''Primitiv-sozial:''' Hummeln bilden meist einjährige Völker, die im Frühjahr von einer überwinterten Königin gegründet werden. | |||
# '''Solitär:''' Ein Großteil der Arten (z. B. Holzbienen oder Pelzbienen) lebt solitär. Jedes Weibchen baut ein eigenes Nest und versorgt die Brut allein. | |||
# '''Kleptoparasitisch (Kuckucksbienen):''' Die Unterfamilie Nomadinae und einige andere Gruppen legen ihre Eier in die Nester fremder Bienenarten. Ihre Larven ernähren sich vom dort gelagerten Proviant. | |||
== Systematik und Vielfalt == | |||
Die Familie umfasst heute über 5.700 beschriebene Arten in etwa 200 Gattungen. Sie wird klassischerweise in drei große Unterfamilien unterteilt: | |||
* '''Apinae:''' Die artenreichste Gruppe. Sie umfasst Honigbienen (Apini), Hummeln (Bombini), Orchideenbienen (Euglossini), stachellose Bienen (Meliponini), Pelzbienen (Anthophorini) und viele andere. | |||
* '''Xylocopinae:''' Hierzu gehören die Holzbienen (Xylocopini) und die kleinen Keulhornbienen (Ceratinini). Sie nisten oft in Totholz oder markhaltigen Stängeln. | |||
* '''Nomadinae:''' Rein parasitische Bienen (Kuckucksbienen), die oft wespenähnlich gezeichnet und kaum behaart sind. | |||
== Evolution und Geschichte == | |||
Die Evolution der Apidae ist eng mit der Ausbreitung der Bedecktsamer (Blütenpflanzen) in der Kreidezeit verknüpft. | |||
* '''Ursprung:''' Die ältesten fossilen Belege für Bienen stammen aus Bernstein-Einschlüssen der frühen Kreidezeit (vor ca. 100 Millionen Jahren). | |||
* '''Funde:''' Ein berühmter Fund ist ''Cretotrigona prisca'' aus der späten Kreide, die bereits Merkmale moderner stachelloser Bienen zeigt. | |||
* '''Entdeckung:''' Die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Familie erfolgte 1802 durch den französischen Zoologen Pierre André Latreille. Der Name leitet sich von der Gattung ''Apis'' (Biene) ab, die bereits 1758 von Carl von Linné beschrieben wurde. | |||
== Besondere Eigenschaften == | |||
* '''Bestäubungsleistung:''' Die ökologische Bedeutung der Apidae ist immens. Ohne die Bestäubungsleistung von Wild- und Honigbienen würden viele Ökosysteme kollabieren und Ernteerträge in der Landwirtschaft massiv einbrechen. | |||
* '''Kommunikation:''' Die Honigbiene ist berühmt für den Schwänzeltanz, mit dem sie Artgenossen den Weg zu Futterquellen weist. | |||
* '''Nistweise:''' Die Nester variieren von unterirdischen Gängen über hohle Stängel bis hin zu kunstvollen Wachsbauten. | |||
== Gefährdung == | |||
Wie viele Insektengruppen sind auch zahlreiche Arten der Apidae gefährdet. Ursachen sind Habitatverlust, der Einsatz von Pestiziden (besonders Neonicotinoide), der Klimawandel und die Verdrängung durch eingeschleppte Arten oder Krankheiten. Besonders spezialisierte solitäre Arten leiden unter dem Rückgang ihrer spezifischen Futterpflanzen. | |||
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== Literatur == | |||
* Charles D. Michener: ''The Bees of the World.'' 2. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2007, ISBN 978-0-8018-8573-0. | |||
* Andreas Müller, Albert Krebs, Felix Amiet: ''Bienen: Mitteleuropäische Gattungen, Lebensweise, Beobachtung.'' Naturbuch-Verlag, Augsburg 1997, ISBN 3-89440-241-5. | |||
* Paul Westrich: ''Die Wildbienen Deutschlands.'' 2. Auflage. Ulmer, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-8186-0123-2. | |||
== Weblinks == | |||
* Spektrum Lexikon der Biologie: Apidae | |||
* Ökologie-Seite: Familie Apidae | |||
* Wildbienen.info - Biologie und Systematik | |||
* Naturspektrum: Übersicht der Hautflügler | |||
== Einzelnachweise == | |||
# Latreille, P. A. (1802): ''Histoire naturelle, générale et particulière des crustacés et des insectes.'' | |||
# Michener, C. D. (2007): ''The Bees of the World.'' | |||
# Cardinal, S., & Danforth, B. N. (2013): ''The bee tree of life: a purified molecular phylogeny of bees (Hymenoptera: Apoidea).'' Cladistics, 29(6), 583-645. | |||
# Engel, M. S. (2001): ''A monograph of the Baltic amber bees and evolution of the Apoidea.'' Bulletin of the American Museum of Natural History. | |||
Version vom 14. Mai 2026, 13:29 Uhr
Apidae (Echte Bienen)
Die Apidae, im Deutschen als Echte Bienen bezeichnet, sind die weltweit größte und ökologisch vielfältigste Familie innerhalb der Überfamilie der Bienen (Apoidea). Sie gehören zur Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera). Zur Familie zählen prominente Vertreter wie die Honigbienen, Hummeln, Holzbienen und Orchideenbienen, aber auch eine Vielzahl weniger bekannter solitärer Gruppen sowie Kuckucksbienen.
Die Systematik der Apidae wurde Ende des 20. Jahrhunderts stark erweitert. Während früher unter dem Begriff „Apidae“ oft nur die staatenbildenden Bienen (wie Honigbienen und Hummeln) verstanden wurden, umfasst die Familie heute auch Gruppen, die früher als eigenständige Familien (z. B. Anthophoridae) geführt wurden.
Merkmale und Aussehen
Die Apidae variieren in ihrer Größe und ihrem Erscheinungsbild extrem – von winzigen, fast haarlosen Arten (wenige Millimeter) bis hin zu den imposanten, bis zu 3 cm großen Holzbienen.
Morphologie
- Mundwerkzeuge: Alle Apidae gehören zu den „Langzungenbienen“. Das Labium (Unterlippe) ist verlängert, was ihnen ermöglicht, Nektar aus tiefen Blütenkelchen zu saugen.
- Behaarung: Die Körperbehaarung ist charakteristischerweise gefiedert oder verzweigt, was den Transport von Pollen erleichtert.
- Pollen-Transportapparat: Viele Gruppen (besonders die Triben Apini, Bombini, Meliponini und Euglossini) besitzen an den Hinterbeinen eine Corbicula (Pollenkörbchen). Dies ist eine glatte, von Haarsäumen eingefasste Fläche, in der feuchter Pollen effizient transportiert werden kann. Andere Gruppen (wie die Xylocopinae) nutzen eine Scopa (Haarbürste) am Hinterbein.
- Flügelgeäder: Die Vorderflügel weisen meist drei (selten zwei) Cubitalzellen auf, was ein wichtiges Merkmal zur Unterscheidung von anderen Bienenfamilien ist.
Verbreitung und Lebensraum
Echte Bienen sind weltweit auf allen Kontinenten verbreitet, mit Ausnahme der Antarktis. Ihre größte Artenvielfalt erreichen sie in den Tropen und Subtropen, doch Hummeln beispielsweise sind bis in die arktischen Regionen und Hochgebirge vorgedrungen. Sie besiedeln nahezu jeden Lebensraum, in dem blühende Pflanzen vorkommen – von Wüsten über Regenwälder bis hin zu urbanen Gärten.
Lebensweise und Sozialstruktur
Die Vielfalt der Lebensweisen innerhalb der Apidae ist einzigartig im Tierreich:
- Eusozial: Die bekanntesten Vertreter, wie die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) und stachellose Bienen, leben in hochkomplexen Staaten mit Königin, Arbeitern und Drohnen.
- Primitiv-sozial: Hummeln bilden meist einjährige Völker, die im Frühjahr von einer überwinterten Königin gegründet werden.
- Solitär: Ein Großteil der Arten (z. B. Holzbienen oder Pelzbienen) lebt solitär. Jedes Weibchen baut ein eigenes Nest und versorgt die Brut allein.
- Kleptoparasitisch (Kuckucksbienen): Die Unterfamilie Nomadinae und einige andere Gruppen legen ihre Eier in die Nester fremder Bienenarten. Ihre Larven ernähren sich vom dort gelagerten Proviant.
Systematik und Vielfalt
Die Familie umfasst heute über 5.700 beschriebene Arten in etwa 200 Gattungen. Sie wird klassischerweise in drei große Unterfamilien unterteilt:
- Apinae: Die artenreichste Gruppe. Sie umfasst Honigbienen (Apini), Hummeln (Bombini), Orchideenbienen (Euglossini), stachellose Bienen (Meliponini), Pelzbienen (Anthophorini) und viele andere.
- Xylocopinae: Hierzu gehören die Holzbienen (Xylocopini) und die kleinen Keulhornbienen (Ceratinini). Sie nisten oft in Totholz oder markhaltigen Stängeln.
- Nomadinae: Rein parasitische Bienen (Kuckucksbienen), die oft wespenähnlich gezeichnet und kaum behaart sind.
Evolution und Geschichte
Die Evolution der Apidae ist eng mit der Ausbreitung der Bedecktsamer (Blütenpflanzen) in der Kreidezeit verknüpft.
- Ursprung: Die ältesten fossilen Belege für Bienen stammen aus Bernstein-Einschlüssen der frühen Kreidezeit (vor ca. 100 Millionen Jahren).
- Funde: Ein berühmter Fund ist Cretotrigona prisca aus der späten Kreide, die bereits Merkmale moderner stachelloser Bienen zeigt.
- Entdeckung: Die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Familie erfolgte 1802 durch den französischen Zoologen Pierre André Latreille. Der Name leitet sich von der Gattung Apis (Biene) ab, die bereits 1758 von Carl von Linné beschrieben wurde.
Besondere Eigenschaften
- Bestäubungsleistung: Die ökologische Bedeutung der Apidae ist immens. Ohne die Bestäubungsleistung von Wild- und Honigbienen würden viele Ökosysteme kollabieren und Ernteerträge in der Landwirtschaft massiv einbrechen.
- Kommunikation: Die Honigbiene ist berühmt für den Schwänzeltanz, mit dem sie Artgenossen den Weg zu Futterquellen weist.
- Nistweise: Die Nester variieren von unterirdischen Gängen über hohle Stängel bis hin zu kunstvollen Wachsbauten.
Gefährdung
Wie viele Insektengruppen sind auch zahlreiche Arten der Apidae gefährdet. Ursachen sind Habitatverlust, der Einsatz von Pestiziden (besonders Neonicotinoide), der Klimawandel und die Verdrängung durch eingeschleppte Arten oder Krankheiten. Besonders spezialisierte solitäre Arten leiden unter dem Rückgang ihrer spezifischen Futterpflanzen.
Literatur
- Charles D. Michener: The Bees of the World. 2. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2007, ISBN 978-0-8018-8573-0.
- Andreas Müller, Albert Krebs, Felix Amiet: Bienen: Mitteleuropäische Gattungen, Lebensweise, Beobachtung. Naturbuch-Verlag, Augsburg 1997, ISBN 3-89440-241-5.
- Paul Westrich: Die Wildbienen Deutschlands. 2. Auflage. Ulmer, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-8186-0123-2.
Weblinks
- Spektrum Lexikon der Biologie: Apidae
- Ökologie-Seite: Familie Apidae
- Wildbienen.info - Biologie und Systematik
- Naturspektrum: Übersicht der Hautflügler
Einzelnachweise
- Latreille, P. A. (1802): Histoire naturelle, générale et particulière des crustacés et des insectes.
- Michener, C. D. (2007): The Bees of the World.
- Cardinal, S., & Danforth, B. N. (2013): The bee tree of life: a purified molecular phylogeny of bees (Hymenoptera: Apoidea). Cladistics, 29(6), 583-645.
- Engel, M. S. (2001): A monograph of the Baltic amber bees and evolution of the Apoidea. Bulletin of the American Museum of Natural History.