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Apis mellifera siciliana

Aus Bienen-Wiki
Sizilianische Biene, Apis mellifera siciliana

Sizilianische Biene Apis mellifera siciliana (Dalla Torre, 1896)

Sizilianische Biene, Apis mellifera siciliana

Die Sizilianische Biene (Apis mellifera siciliana, oft auch unpräzise als Apis mellifera sicula oder Sicula-Biene bezeichnet) ist eine endemische Unterart der Westlichen Honigbiene. Sie ist auf der italienischen Insel Sizilien und den umliegenden Inseln beheimatet. In ihrer Heimat wird sie oft als Ape Nera Sicula (Sizilianische Schwarze Biene) bezeichnet.

Systematik und Benennung

Wissenschaftlich wurde die Unterart erstmals 1896 von Dalla Torre als Apis mellifera siciliana beschrieben. Die häufig anzutreffende Bezeichnung Apis mellifera sicula (Montagano 1911) gilt heute als Synonym, wird jedoch in der imkerlichen Praxis und in Italien fast ausschließlich verwendet.

Genetisch wird sie der afrikanischen Linie (A-Linie) der Honigbienen zugeordnet. Damit ist sie enger mit der Tellbiene (Apis mellifera intermissa) aus Nordafrika verwandt als mit der Italienischen Biene (Apis mellifera ligustica) des italienischen Festlands.

Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet umfasst die gesamte Insel Sizilien. Durch die Einführung ertragsstärkerer Rassen (wie A. m. ligustica) in den 1970er Jahren wurde die Sizilianische Biene fast vollständig verdrängt und war vom Aussterben bedroht.

Heute findet man reinrassige Bestände vor allem im Westen Siziliens sowie in isolierten Schutzgebieten auf den Äolischen Inseln (insbesondere Alicudi, Filicudi und Vulcano), die als Belegstellen zur Reinerhaltung dienen.

Aussehen

Die Sizilianische Biene zeichnet sich durch folgende äußere Merkmale aus:

  • Farbe: Der Chitinpanzer ist sehr dunkel bis tiefschwarz, was ihr den Namen „Ape Nera“ (Schwarze Biene) einbrachte. Sie besitzt kaum gelbe Zeichnungen.
  • Behaarung: Die Haare auf den Hinterleibsringen sind sehr kurz, was sie optisch noch dunkler erscheinen lässt.
  • Größe: Sie ist tendenziell etwas kleiner als die mitteleuropäische Apis mellifera mellifera.
  • Flügel: Die Flügel sind im Vergleich zum Körper eher klein, was eine Anpassung an die starken Winde Siziliens sein könnte.

Eigenschaften

Die Apis mellifera siciliana hat sich perfekt an das mediterrane Klima angepasst:

  • Brutrhythmus: Sie besitzt zwei Brutgipfel im Jahr (Frühjahr und Herbst), angepasst an die sizilianischen Blühphasen. Während der extrem heißen und trockenen Sommermonate stellt sie die Bruttätigkeit oft fast vollständig ein.
  • Resistenz: Ihr wird eine hohe Toleranz gegenüber der Varroamilbe nachgesagt. Zudem zeigt sie eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten wie der Nosemose.
  • Sanftmut: Trotz ihrer nahen Verwandtschaft zur eher aggressiven Tellbiene gilt die Sizilianische Biene als sehr sanftmütig, was eine Bearbeitung ohne Schutzkleidung oft möglich macht.
  • Klimatoleranz: Sie ist extrem hitzebeständig und kann noch bei Temperaturen über 40 °C ausfliegen, wenn andere Bienenrassen die Arbeit einstellen.

Geschichte und Wiederentdeckung

Bis in die 1960er Jahre war die Sizilianische Biene die Standardbiene auf der Insel, gehalten in den traditionellen Fasceddi (horizontalen Rutenkörben). Mit der Modernisierung der Imkerei und dem Import der Ligustica kam es zur massiven Vermischung und zum Beinahe-Aussterben der ursprünglichen Biene.

Die Rettung der Rasse ist eng mit zwei Namen verbunden:

  1. Mariano Alber: In den 1950er und 60er Jahren warnte der Südtiroler Bienenexperte vor dem Verschwinden der Sicula und legte den Grundstein für die Dokumentation ihrer Besonderheiten.
  2. Carlo Amodeo: Der sizilianische Imker gilt als der wichtigste Retter der Rasse. In den 1980er Jahren fand er in verlassenen Bienenständen im Westen Siziliens die letzten reinrassigen Völker. Er isolierte diese auf den Liparischen Inseln, um eine Verkreuzung zu verhindern, und baute eine systematische Erhaltungszucht auf.

Heutige Situation und Zucht

Heute ist die Sizilianische Biene als Slow Food Presidio geschützt, was ihren kulturellen und ökologischen Wert unterstreicht.

  • Zuchtlinien: Es existieren mehrere stabilisierte Zuchtlinien, die unter der Aufsicht regionaler Institute stehen. Die Zuchtarbeit konzentriert sich auf Honigertrag bei gleichzeitiger Erhaltung der Krankheitsresistenz.
  • Wirtschaftliche Bedeutung: Besonders geschätzt wird der Honig von der Sulla (Hedysarum coronarium), den diese Biene in großen Mengen sammelt.

Literatur

  • Friedrich Ruttner: Naturgeschichte der Honigbienen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1992, ISBN 3-440-09125-2.
  • Heinrich Friese: Die Bienen Europas (Apidae europaeae). Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1969 (Nachdruck der Ausgabe 1895–1901).

Einzelnachweise

  1. Nordbiene.de: Die Sizilianische Biene – L'ape nera sicula https://www.nordbiene.de/die-sizilianische-biene-l-ape-nera-sicula-apis-mellifera-sicula/
  2. Carlo Amodeo: Ape Presidio Slow Food https://www.amodeocarlo.com/it/ape-presidio-slow-food/
  3. Slow Food Foundation for Biodiversity: Sicily's Black Honeybee.