Einschlagen

Einschlagen (eines Bienenschwarmes in der Imkerei)
Das Einschlagen (auch Einlogieren oder Zulaufenlassen) bezeichnet in der Imkerei den Vorgang, bei dem ein eingefangener natürlicher Bienenschwarm in eine künstliche Bienenwohnung (Beute) angesiedelt wird. Es stellt den entscheidenden Schritt beim Übergang vom freien Schwarmzustand zur kontrollierten Völkerführung dar.
Grundlagen und Zeitpunkt
Ein natürlicher Schwarm verlässt das Muttervolk mit Vorräten (Honigmageninhalt) für etwa drei Tage. In dieser Zeit befindet sich das Volk im „Schwarmfieber“ und ist besonders bauwillig. Das Einschlagen erfolgt idealerweise am späten Nachmittag oder Abend des Tages, an dem der Schwarm gefangen wurde.
Zuvor wird der Schwarm meist in einer sogenannten Schwarmkiste (einem belüfteten, dunklen Behälter) an einem kühlen Ort in „Kellerhaft“ genommen. Dies dient der Beruhigung der Bienen und der Festigung des Kollektivgefühls als neues Volk.
Methoden des Einschlagens
In der imkerlichen Praxis haben sich zwei Hauptmethoden etabliert:
1. Das direkte Einschlagen (Stoßen)
Dies ist die schnellste Methode, die vor allem bei Magazinbeuten angewandt wird.
- Vorgang: Die Beute wird vorbereitet (meist mit Mittelwänden oder Leerrähmchen). Die leere Zarge wird aufgesetzt, und die Bienen werden mit einem kräftigen Stoß aus der Schwarmkiste direkt in die Beute geschüttet.
- Abschluss: Der Deckel wird zügig aufgelegt. Die Bienen beginnen sofort, sich an den Rähmchen zu sammeln und die Bautätigkeit aufzunehmen.
2. Das Zulaufenlassen (Einlogieren über das Flugbrett)
Diese Methode gilt als die naturnahere und „ästhetischere“ Form, da sie das natürliche Suchverhalten des Schwarms nutzt.
- Vorgang: Vor dem Flugloch der Beute wird eine schräge Ebene (ein Brett, oft mit einem weißen Tuch bespannt) errichtet. Der Schwarm wird am unteren Ende des Brettes ausgeschüttet.
- Verhalten: Sobald die ersten Bienen (und idealerweise die Königin) den Eingang zur Beute finden, beginnen sie zu „sterzeln“. Dabei wird der Duft der Nasonov-Drüse verbreitet, um den restlichen Bienen den Weg zu weisen. Der gesamte Schwarm zieht daraufhin in einer geordneten Formation in die neue Behausung ein.
- Vorteil: Der Imker kann die Königin beim Einlaufen besser beobachten und ggf. zeichnen. Zudem ist sichergestellt, dass die Bienen die Beute aktiv als ihr neues Heim anerkennen.
Nachsorge
Nach dem Einschlagen sind folgende Schritte für den imkerlichen Erfolg entscheidend:
- Fütterung: Da ein Schwarm keine Vorräte besitzt und sofort mit dem Wabenbau beginnen muss, wird er bei schlechter Witterung mit Zuckerwasser oder Futterteig unterstützt.
- Varroa-Behandlung: Da ein Schwarm in den ersten Tagen brutfrei ist, bietet sich hier ein ideales Zeitfenster für eine Behandlung gegen die Varroamilbe (z. B. mit Milchsäure oder Oxalsäure), da die Milben nicht in verdeckelter Brut geschützt sind.
- Sicherung: Um ein erneutes Ausziehen („Ausschwärmen“) zu verhindern, wird manchmal ein Absperrgitter vor das Flugloch gesetzt, bis die erste Brut angelegt ist.
Rechtliche Aspekte (Deutschland)
Das Einschlagen steht am Ende der Kette des Schwarmfangs. Gemäß §§ 961 bis §§ 964 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) erlischt das Eigentum an einem Bienenschwarm, wenn der Eigentümer ihn nicht unverzüglich verfolgt. Durch das Einfangen und Einschlagen in seine Beute begründet der Imker neues Eigentum am Volk.
Literatur
- Karl Weiß: Der Wochenend-Imker. Eine Schule für das Arbeiten mit Magazinbeuten. 17. Auflage. Leopold Stocker Verlag, Graz 2014, ISBN 978-3-7020-1327-1.
- Gerhard Liebig: Einfach imkern. Leitfaden zum Bienenhalten. 4. Auflage. Eigenverlag, Stuttgart 2020.
- Thomas D. Seeley: Bienendemokratie. Wie Bienen gemeinsam entscheiden. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-596-19407-0 (Hintergründe zum Nestwahlverhalten).
Weblinks
- Deutscher Imkerbund (D.I.B.) – Informationen zum Schwarmwesen
- Bienenkunde: Einen Schwarm einlogieren (Video-Anleitung)