Apis mellifera ruttneri
Maltesische Biene Apis mellifera ruttneri (Sheppard, Arias, Grech & Meixner, 1997)
Die Maltesische Biene (Apis mellifera ruttneri) ist eine Unterart der Westlichen Honigbiene (Scientific Name: Apis mellifera). Sie ist auf dem maltesischen Archipel endemisch und hat sich über Jahrtausende an die spezifischen klimatischen und ökologischen Bedingungen der Inseln Malta, Gozo und Comino angepasst.
Systematik und Entdeckung
Die Unterart wurde erst vergleichsweise spät wissenschaftlich beschrieben. 1997 wurde sie von den Bienenforschern Sheppard, Arias, Grech und Meixner offiziell als eigene Unterart anerkannt und beschrieben. Benannt wurde sie zu Ehren von Friedrich Ruttner, einem der bedeutendsten Experten für die Taxonomie von Honigbienen im 20. Jahrhundert.
Genetische Untersuchungen zeigen, dass A. m. ruttneri zur sogenannten A-Linie (afrikanische Linie) der Honigbienen gehört, ähnlich wie die Sizilianische Biene (Apis mellifera siciliana), sich jedoch morphologisch und verhaltenstechnisch deutlich von dieser unterscheidet.
Merkmale und Aussehen
Die Maltesische Biene ist eine eher dunkle Unterart. Zu ihren physischen Merkmalen gehören:
- Körperbau: Sie ist vergleichsweise klein und kompakt.
- Färbung: Der Hinterleib ist sehr dunkel (fast schwarz) mit gelegentlich schmalen, helleren Binden. Besonders auffällig sind die „Black Queens“ (schwarze Königinnen), die für die Zuchtlinie charakteristisch sind.
- Behaarung: Die Behaarung ist kurz, was eine Anpassung an das warme Klima darstellt.
- Flügelgeäder: Wie bei allen Unterarten dient der Cubitalindex zur morphometrischen Bestimmung, wobei ruttneri spezifische Werte aufweist, die sie von der italienischen A. m. ligustica abgrenzen.
Eigenschaften und Verhalten
Die Biene hat sich perfekt an die extremen Bedingungen Maltas (heiße, trockene Sommer und windige Winter) angepasst:
- Hitzetoleranz: Sie ist extrem hitzeresistent und kann auch bei hohen Temperaturen im Sommer noch effektiv sammeln.
- Verteidigungsverhalten: Sie gilt als sehr verteidigungsbereit und flugstark, was notwendig ist, um sich gegen natürliche Feinde wie die Hornisse (Vespa orientalis) zu behaupten.
- Brutrhythmus: Sie passt ihren Brutzyklus strikt an das lokale Nahrungsangebot an. In den trockenen Sommermonaten wird die Brutaktivität stark reduziert, um Ressourcen zu schonen.
- Putzbetrieb: Die Unterart zeigt ein ausgeprägtes Hygieneverhalten, was sie widerstandsfähiger gegen bestimmte Krankheiten und Parasiten macht.
Geschichte und Gefährdung
Historisch gesehen war Malta für seinen Honig berühmt – der Name „Malta“ leitet sich vermutlich vom griechischen Wort Melite (Honig) ab.
Die Reinheit der Apis mellifera ruttneri geriet jedoch im 20. Jahrhundert massiv unter Druck:
- Importe: Durch den Import von sanftmütigeren Rassen wie Apis mellifera ligustica (Italienische Biene) kam es zur Hybridisierung.
- Varroamilbe: Die Einschleppung der Varroamilbe im Jahr 1992 dezimierte den Bestand der wilden und einheimischen Völker drastisch.
- Bienensterben: Pestizideinsatz und der Verlust an natürlicher Flora (Trachtquellen) erschweren das Überleben.
Erhaltungszucht und heutige Situation
In den letzten Jahren ist das Bewusstsein für den Wert dieser endemischen Biene gestiegen. Organisationen wie die Foundation for the Conservation of the Maltese Honey Bee setzen sich für den Schutz und die Wiedereinführung der reinen A. m. ruttneri ein.
- Urzüchter und Pioniere: Lokale Imker wie die Betreiber von Melita Bees haben sich auf die Selektion und Erhaltung der „Black Queens“ spezialisiert, um die ursprünglichen Merkmale zu stabilisieren.
- Zuchtprogramme: Es werden isolierte Belegstellen genutzt, um eine Verpaarung mit fremden Drohnen zu verhindern. Ziel ist es, die genetische Integrität der Biene zu bewahren, da sie als nationales Naturerbe Maltas betrachtet wird.
- Anerkennung: Es gibt Bestrebungen, die Maltesische Biene als offizielles nationales Insekt Maltas anerkennen zu lassen.
Literatur
- Sheppard, W. S., Arias, M. C., Grech, A., & Meixner, M. D. (1997): Apis mellifera ruttneri, a new isolated subspecies of honey bee from Mauritius. (Anmerkung: In wissenschaftlichen Publikationen oft im Kontext der Mittelmeer-Taxonomie zitiert).
- Friedrich Ruttner: Naturgeschichte der Honigbienen. Franckh-Kosmos-Verlag.
- Thomas D. Seeley: The Lives of Bees. Princeton University Press (für den Kontext ökologischer Anpassung).
Weblinks
- Nordbiene.de: Die Biene von Malta https://www.nordbiene.de/die-biene-von-malta-apis-mellifera-ruttneri/
- Foundation for the Conservation of the Maltese Honey Bee https://maltesehoneybee.org
- Melita Bees - Black Queens https://www.melitabees.com/black-queens.html#/