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Apis mellifera: Unterschied zwischen den Versionen

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= Westliche Honigbiene =
= Westliche Honigbiene (Apis mellifera, Linnaeus 1758) =
Die '''Westliche Honigbiene''' (''Apis mellifera''), auch '''Europäische Honigbiene''' genannt, ist eine staatenbildende Art aus der Gattung der Honigbienen (''Apis''). Sie ist die für die europäische Imkerei wirtschaftlich bedeutendste Bienenart und weltweit verbreitet. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet umfasst Europa, Afrika und Vorderasien.
Die '''Westliche Honigbiene''' (''Apis mellifera''), auch '''Europäische Honigbiene''' genannt, ist eine staatenbildende Art aus der Gattung der [[Honigbienen]] (''[[Apis]]''). Sie ist die für die europäische [[Imkerei]] wirtschaftlich bedeutendste Bienenart und weltweit verbreitet. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet umfasst Europa, Afrika und Vorderasien.


== Etymologie und Forschungsgeschichte ==
== Etymologie und Forschungsgeschichte ==
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte 1758 durch '''Carl von Linné''' in seinem Werk ''Systema Naturae''. Er wählte das Epitheton ''mellifera'' (lateinisch für „honigtragend“). Später erkannte Linné, dass Bienen den Honig nicht „tragen“, sondern aus Nektar herstellen, und wollte den Namen in ''Apis mellifica'' („honigbereitend“) ändern. Nach den Regeln der zoologischen Nomenklatur hat jedoch der zuerst publizierte Name Vorrang.
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte 1758 durch '''[[Carl von Linné]]''' in seinem Werk ''Systema Naturae''. Er wählte das Epitheton ''mellifera'' (lateinisch für „honigtragend“). Später erkannte Linné, dass Bienen den [[Honig]] nicht „tragen“, sondern aus Nektar herstellen, und wollte den Namen in ''Apis mellifica'' („honigbereitend“) ändern. Nach den Regeln der zoologischen Nomenklatur hat jedoch der zuerst publizierte Name Vorrang.


== Evolution und Herkunft ==
== Evolution und Herkunft ==
Die Evolution der Gattung ''Apis'' reicht etwa 30 Millionen Jahre zurück. Die Trennung zwischen der Westlichen Honigbiene (''Apis mellifera'') und ihrer nächsten Verwandten, der Östlichen Honigbiene (''Apis cerana''), erfolgte vor etwa 2 bis 3 Millionen Jahren.
Die Evolution der Gattung ''Apis'' reicht etwa 30 Millionen Jahre zurück. Die Trennung zwischen der Westlichen Honigbiene (''Apis mellifera'') und ihrer nächsten Verwandten, der [[Östliche Honigbiene|Östlichen Honigbiene]] (''[[Apis cerana]]''), erfolgte vor etwa 2 bis 3 Millionen Jahren.


=== Genetische Linien und Haplotypen ===
=== Genetische Linien und Haplotypen ===
Neuere genetische Untersuchungen der mitochondrialen DNA (mtDNA) haben gezeigt, dass sich ''Apis mellifera'' in verschiedene evolutionäre Linien unterteilen lässt. Man unterscheidet heute primär fünf Hauptlinien:
Neuere genetische Untersuchungen der mitochondrialen DNA (mtDNA) haben gezeigt, dass sich ''Apis mellifera'' in verschiedene evolutionäre Linien unterteilen lässt. Man unterscheidet heute primär fünf Hauptlinien:


* '''M-Linie (Mellifera-Linie):''' West- und Nordeuropa (u. a. die Dunkle Biene ''A. m. mellifera'').
* '''M-Linie ([[Mellifera-Linie]]):''' West- und Nordeuropa (u. a. die [[Dunkle Biene]] ''[[Apis mellifera mellifera|A. m. mellifera]]'').
* '''C-Linie (Carnica-Linie):''' Südosteuropa und Italien (u. a. ''A. m. carnica'' und ''A. m. ligustica'').
* '''C-Linie ([[Carnica-Linie]]):''' Südosteuropa und Italien (u. a. ''[[Apis mellifera carnica|A. m. carnica]]'' und ''[[Apis mellifera ligustica|A. m. ligustica]])''.
* '''A-Linie (Afrikanische Linie):''' Ganz Afrika.
* '''A-Linie ([[Afrikanische Linie]]):''' Ganz Afrika.
* '''O-Linie (Orientalische Linie):''' Vorderasien und Kaukasus.
* '''O-Linie ([[Orientalische Linie]]):''' Vorderasien und Kaukasus.
* '''Y-Linie:''' Äthiopien.
* '''[[Y-Linie]]:''' Äthiopien.


Lange Zeit wurde vermutet, die Art stamme aus Afrika. Neuere genomische Studien (u. a. Wallberg et al., 2014) deuten jedoch auf einen Ursprung in Asien hin, von wo aus sie in zwei Migrationswellen Afrika und Europa besiedelte.
Lange Zeit wurde vermutet, die Art stamme aus Afrika. Neuere genomische Studien (u. a. Wallberg et al., 2014) deuten jedoch auf einen Ursprung in Asien hin, von wo aus sie in zwei Migrationswellen Afrika und Europa besiedelte.
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* '''Morphologie:''' Der Körper ist behaart, wobei die Färbung je nach Unterart von tiefschwarz (M-Linie) bis hellgelb (Ligurische Biene) variieren kann.
* '''Morphologie:''' Der Körper ist behaart, wobei die Färbung je nach Unterart von tiefschwarz (M-Linie) bis hellgelb (Ligurische Biene) variieren kann.
* '''Spezialisierungen:''' Die Hinterbeine der Arbeiterinnen sind zu „Pollenkörbchen“ umgeformt. Die Mundwerkzeuge sind als leckend-saugende Apparate ausgebildet, mit einem Rüssel von 5,5 bis 7 mm Länge.
* '''Spezialisierungen:''' Die Hinterbeine der Arbeiterinnen sind zu „Pollenkörbchen“ umgeformt. Die Mundwerkzeuge sind als leckend-saugende Apparate ausgebildet, mit einem Rüssel von 5,5 bis 7 mm Länge.
* '''Unterscheidungsmerkmale:''' Wichtige morphometrische Merkmale zur Bestimmung der Unterarten sind der '''Cubitalindex''' (Flügelgeäder), die Rüssellänge und die Filzbindenbreite.
* '''Unterscheidungsmerkmale:''' Wichtige morphometrische Merkmale zur Bestimmung der Unterarten sind der '''[[Cubitalindex]]''' (Flügelgeäder), die Rüssellänge und die [[Filzbinden]]<nowiki/>breite.


== Vergleich mit der Östlichen Honigbiene (''Apis cerana'') ==
== Vergleich mit der [[Östliche Honigbiene|Östlichen Honigbiene]] (''[[Apis cerana]]'') ==
Die Westliche Honigbiene unterscheidet sich in mehreren Punkten von der asiatischen Schwesterart ''Apis cerana'':
Die Westliche Honigbiene unterscheidet sich in mehreren Punkten von der asiatischen Schwesterart ''Apis cerana'':
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== Gefährdung und Schutz ==
== Gefährdung und Schutz ==
Während die domestizierten Völker durch die Imkerei weit verbreitet sind, sind wildlebende Honigbienenvölker in Europa fast vollständig verschwunden. Hauptursachen sind die eingeführte '''Varroa-Milbe''', Pestizideinsatz in der Landwirtschaft und der Verlust an natürlichen Nistplätzen. Bemühungen zum Schutz der ursprünglichen Unterarten (wie der Dunklen Biene in Deutschland) werden von Organisationen wie ''Nordbiene'' und verschiedenen Zuchtverbänden vorangetrieben.
Während die domestizierten Völker durch die Imkerei weit verbreitet sind, sind wildlebende Honigbienenvölker in Europa fast vollständig verschwunden. Hauptursachen sind die eingeführte '''[[Varroa-Milbe]]''', Pestizideinsatz in der Landwirtschaft und der Verlust an natürlichen Nistplätzen. Bemühungen zum Schutz der ursprünglichen Unterarten (wie der Dunklen Biene in Deutschland) werden von Organisationen wie ''Nordbiene'' und verschiedenen Zuchtverbänden vorangetrieben.
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* Bienenkunde-Portal der Universitäten https://www.uni-hohenheim.de
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* Informationen des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.) https://deutscherimkerbund.de
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[[Kategorie:Evolution und Genetik]]
[[Kategorie:Wissenschaft]]
[[Kategorie:Glossar]]

Aktuelle Version vom 11. Mai 2026, 22:55 Uhr

Apis mellifera. Arbeiterin.

Westliche Honigbiene (Apis mellifera, Linnaeus 1758)

Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera), auch Europäische Honigbiene genannt, ist eine staatenbildende Art aus der Gattung der Honigbienen (Apis). Sie ist die für die europäische Imkerei wirtschaftlich bedeutendste Bienenart und weltweit verbreitet. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet umfasst Europa, Afrika und Vorderasien.

Etymologie und Forschungsgeschichte

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte 1758 durch Carl von Linné in seinem Werk Systema Naturae. Er wählte das Epitheton mellifera (lateinisch für „honigtragend“). Später erkannte Linné, dass Bienen den Honig nicht „tragen“, sondern aus Nektar herstellen, und wollte den Namen in Apis mellifica („honigbereitend“) ändern. Nach den Regeln der zoologischen Nomenklatur hat jedoch der zuerst publizierte Name Vorrang.

Evolution und Herkunft

Die Evolution der Gattung Apis reicht etwa 30 Millionen Jahre zurück. Die Trennung zwischen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) und ihrer nächsten Verwandten, der Östlichen Honigbiene (Apis cerana), erfolgte vor etwa 2 bis 3 Millionen Jahren.

Genetische Linien und Haplotypen

Neuere genetische Untersuchungen der mitochondrialen DNA (mtDNA) haben gezeigt, dass sich Apis mellifera in verschiedene evolutionäre Linien unterteilen lässt. Man unterscheidet heute primär fünf Hauptlinien:

Lange Zeit wurde vermutet, die Art stamme aus Afrika. Neuere genomische Studien (u. a. Wallberg et al., 2014) deuten jedoch auf einen Ursprung in Asien hin, von wo aus sie in zwei Migrationswellen Afrika und Europa besiedelte.

Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Westlichen Honigbiene ist das größte aller Honigbienen-Arten. Es erstreckt sich von Südskandinavien im Norden bis zum Kap der Guten Hoffnung im Süden und von den Azoren im Westen bis in den zentralasiatischen Raum im Osten. Durch den Menschen wurde sie seit dem 17. Jahrhundert weltweit verschleppt und ist heute auf allen Kontinenten außer der Antarktis zu finden.

Merkmale und Aussehen

Apis mellifera ist eine mittelgroße Biene mit einer Körperlänge von 12 bis 15 mm (Arbeiterinnen). Drohnen und Königinnen sind deutlich größer.

  • Morphologie: Der Körper ist behaart, wobei die Färbung je nach Unterart von tiefschwarz (M-Linie) bis hellgelb (Ligurische Biene) variieren kann.
  • Spezialisierungen: Die Hinterbeine der Arbeiterinnen sind zu „Pollenkörbchen“ umgeformt. Die Mundwerkzeuge sind als leckend-saugende Apparate ausgebildet, mit einem Rüssel von 5,5 bis 7 mm Länge.
  • Unterscheidungsmerkmale: Wichtige morphometrische Merkmale zur Bestimmung der Unterarten sind der Cubitalindex (Flügelgeäder), die Rüssellänge und die Filzbindenbreite.

Die Westliche Honigbiene unterscheidet sich in mehreren Punkten von der asiatischen Schwesterart Apis cerana:

Merkmal Apis mellifera Apis cerana
Körpergröße Größer (Arbeiterin ca. 12–15 mm) Kleiner (Arbeiterin ca. 10–12 mm)
Volksstärke Sehr groß (bis zu 50.000 Bienen) Kleiner (meist unter 10.000 Bienen)
Nistweise Bevorzugt große Baumhöhlen Kleinere Hohlräume
Varroatoleranz Gering (ursprünglicher Wirt fehlt) Hoch (natürliche Putzmechanismen)
Verteidigung Aggressiver gegen große Feinde „Heat-balling“ gegen Hornissen

Eigenschaften und Verhalten

Die Westliche Honigbiene lebt in hochkomplexen, mehrjährigen Staaten (Eusozialität).

  1. Winterfestigkeit: Im Gegensatz zu tropischen Bienenarten bildet A. mellifera eine Wintertraube, um die Königin bei konstanten Temperaturen (ca. 25–35 °C) zu überwintern.
  2. Sanftmut und Ertrag: Viele europäische Unterarten wurden auf hohen Honigertrag und Sanftmut gezüchtet.
  3. Nestbau: Die Waben werden vertikal aus reinem Bienenwachs errichtet, das in speziellen Wachsdrüsen am Abdomen der Arbeiterinnen produziert wird.

Gefährdung und Schutz

Während die domestizierten Völker durch die Imkerei weit verbreitet sind, sind wildlebende Honigbienenvölker in Europa fast vollständig verschwunden. Hauptursachen sind die eingeführte Varroa-Milbe, Pestizideinsatz in der Landwirtschaft und der Verlust an natürlichen Nistplätzen. Bemühungen zum Schutz der ursprünglichen Unterarten (wie der Dunklen Biene in Deutschland) werden von Organisationen wie Nordbiene und verschiedenen Zuchtverbänden vorangetrieben.


Literatur

  • Friedrich Ruttner: Naturgeschichte der Honigbienen. Ehrenwirth, München 1992, ISBN 3-431-03204-6.
  • Jürgen Tautz: Phänomen Honigbiene. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-8274-1845-6.
  • Wallberg, A. et al. (2014): A worldwide survey of genome variation and genetic structure in the honeybee Apis mellifera. Nature Genetics 46, 1081–1088.

Einzelnachweise