Apis mellifera mellifera
Dunkle Biene
Die Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera), auch als Nordbiene, Braune Biene oder Nordrasse bezeichnet, ist eine natürlich entstandene Unterart der Westlichen Honigbiene. Sie ist die einzige Biene, die ursprünglich in Europa nördlich der Pyrenäen, Alpen und Karpaten sowie im nordwestlichen Asien (bis zum Ural) heimisch ist.
Systematik und Einordnung
Innerhalb der Spezies Apis mellifera gehört die Dunkle Biene zur evolutionären Linie M (mediterran-nordwest-europäisch). Damit unterscheidet sie sich genetisch deutlich von den Vertretern der C-Linie (wie der Carnica oder Ligustica), die in das ehemalige Verbreitungsgebiet der Dunklen Biene eingeführt wurden und heute in der Imkerei weit verbreitet sind.
Merkmale
Die Dunkle Biene weist spezifische morphologische Merkmale auf, die sie von anderen Unterarten eindeutig abgrenzen:
- Körperfarbe: Der Panzer ist sehr dunkel, fast schwarz, ohne gelbe Ringe oder Aufhellungen am Hinterleib.
- Gestalt: Sie wirkt im Vergleich zu südeuropäischen Rassen massiger und breiter.
- Behaarung: Das Überhaar ist mit ca. 0,4 bis 0,5 mm vergleichsweise lang, was eine Anpassung an das kühlere Klima darstellt. Die Filzbinden (die feine Behaarung an den Tergiten) sind schmal und schütter. Sie lassen den schwarzen Hinterleib klar durchscheinen.
- Flügelindex: Ein wichtiges Kriterium zur Bestimmung der reinen Dunklen Biene ist das Flügelgeäder der Arbeiterinnen. Bei der Dunklen Biene sind dies der Cubitalindex von maximal 1,9, ein Hantelindex von maximal 0,923 und eine negative Discoidalverschiebung.
Verbreitungsgebiet
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Dunklen Biene erstreckte sich über ein riesiges Areal: von den Pyrenäen im Westen über die Alpen nach Norden bis hinauf nach Skandinavien und im Osten bis zum Uralgebirge. Sie ist die am weitesten nördlich vorkommende Honigbienenunterart der Welt.
Biologische Besonderheiten und Verhalten
Die Dunkle Biene hat sich über Jahrhunderttausende an die rauen klimatischen Bedingungen nördlich der Alpen angepasst. Zu ihren wichtigsten Eigenschaften gehören:
- Winterhärte: Sie gilt als extrem winterfest. Die Wintertraube ist kompakt, und die Bienen sind in der Lage, auch lange Kälteperioden bei geringem Futterverbrauch zu überstehen.
- Haushaltung: Die Dunkle Biene gilt als sehr sparsam. Sie passt ihre Brutaktivität flexibel an das Trachtangebot und die Witterung an. Bei Trachtlosigkeit geht die Bruttätigkeit schnell zurück, was das Überleben des Volkes sichert.
- Flugkraft: Sie fliegt bereits bei niedrigeren Temperaturen und widrigerem Wetter (Wind, leichter Regen) aus als südeuropäische Unterarten.
- Langlebigkeit: Sowohl die Sommer- als auch die Winterbienen zeichnen sich durch eine hohe Lebenserwartung aus.
Geschichte und heutiger Status
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Dunkle Biene die einzige in Deutschland, in Tirol und der Schweiz (mit Ausnahme des Tessins) gehaltene Biene. Mit dem Aufkommen des Welthandels und der modernen Imkerei wurden jedoch zunehmend andere Unterarten importiert, was zu einer breiten genetischen Vermischung durch Verkreuzung führte.
Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im deutschsprachigen Raum die Kärntner Biene (Apis mellifera carnica) massiv gefördert und verbreitet, da man ihr eine größere Sanftmut und höhere Honigerträge zuschrieb. Dies führte zu einer fast vollständigen Verdrängung durch genetische Vermischung (Hybridisierung) der heimischen Dunklen Biene.
Heute gilt die Dunkle Biene in vielen Teilen ihres ursprünglichen Gebiets als ausgestorben oder stark gefährdet. In Deutschland gibt es keine natürlichen Restbestände mehr; die Haltung und Zucht erfolgt heute durch engagierte Vereine und Züchter, die auf Re-Importe aus noch bestehenden Reinzuchtgebieten (z. B. aus Skandinavien, Irland oder dem Ural) zurückgreifen.
Erhalt und Schutz
Initiativen wie Nordbiene.de setzen sich für den Erhalt dieser ursprünglichen Biene ein. Ziel ist es, die genetische Vielfalt der Honigbienen zu bewahren und die Dunkle Biene als Kulturgut und wichtiges Glied im Ökosystem wieder heimisch zu machen. Die Paarungskontrolle erfolgt heute im Rahmen der Erhaltungszucht unter strenger Kontrolle mittels Flügelvermessung und DNA-Analysen, um die Reinheit der Linien zu gewährleisten.