Segeberger Kunststoff-Magazinbeute: Unterschied zwischen den Versionen
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Die '''Segeberger Kunststoff-Magazinbeute''', im Imkerjargon meist kurz '''Segeberger Beute''' genannt, ist ein im deutschsprachigen Raum weit verbreitetes Beutensystem aus hartgeschäumtem Polystyrol (Styropor). Sie wurde speziell für das Deutsch-Normal-Maß (DNM) entwickelt und gilt als die meistgenutzte Kunststoffbeute in Deutschland. | Die '''Segeberger Kunststoff-Magazinbeute''', im Imkerjargon meist kurz '''Segeberger Beute''' genannt, ist ein im deutschsprachigen Raum weit verbreitetes Beutensystem aus hartgeschäumtem Polystyrol (Styropor). Sie wurde speziell für das [[Deutsch-Normal-Maß]] (DNM) entwickelt und gilt als die meistgenutzte [[Kunststoffbeute]] in Deutschland. | ||
== Geschichte und Entstehung == | == Geschichte und Entstehung == | ||
Die Entwicklung der Segeberger Beute begann Ende der 1960er Jahre. Zu dieser Zeit suchten Imker und Verbände nach einer leichten, witterungsbeständigen und gut isolierten Alternative zu den bis dahin dominierenden Hinterbehandlungsbeuten aus Holz oder Stroh sowie den schweren Holzmagazinen. | Die Entwicklung der Segeberger Beute begann Ende der 1960er Jahre. Zu dieser Zeit suchten Imker und Verbände nach einer leichten, witterungsbeständigen und gut isolierten Alternative zu den bis dahin dominierenden Hinterbehandlungsbeuten aus Holz oder Stroh sowie den schweren [[Holzmagazinen]]. | ||
=== Erfinder und Akteure === | === Erfinder und Akteure === | ||
Maßgeblich beteiligt an der Entwicklung und Popularisierung waren '''Horst Petersen''' und '''Werner Schundau'''. | Maßgeblich beteiligt an der Entwicklung und Popularisierung waren '''[[Horst Petersen]]''' und '''[[Werner Schundau]]'''. | ||
* '''Horst Petersen''', der damalige Leiter der Imkerschule Bad Segeberg, gab den Anstoß für die Konstruktion einer modernen Magazinbeute, die den klimatischen Bedingungen Norddeutschlands gerecht werden sollte. Nach dem Standort der Schule erhielt die Beute ihren Namen. | * '''Horst Petersen''', der damalige Leiter der [[Imkerschule Bad Segeberg]], gab den Anstoß für die Konstruktion einer modernen Magazinbeute, die den klimatischen Bedingungen Norddeutschlands gerecht werden sollte. Nach dem Standort der Schule erhielt die Beute ihren Namen. | ||
* '''Werner Schundau''' (1913–1997) gilt als der „Vater der Segeberger Beute“. Er verfeinerte das Konzept und entwickelte die dazugehörige Betriebsweise. Sein Fachbuch ''„So imkern wir in der Segeberger Kunststoff-Magazinbeute“'' gilt bis heute als Standardwerk für dieses System. Er wies in Vergleichsversuchen nach, dass Völker in der stark isolierenden Styroporbeute im Frühjahr eine schnellere Entwicklung zeigen als in Holzbeuten. | * '''Werner Schundau''' (1913–1997) gilt als der „Vater der Segeberger Beute“. Er verfeinerte das Konzept und entwickelte die dazugehörige Betriebsweise. Sein Fachbuch ''„So imkern wir in der Segeberger Kunststoff-Magazinbeute“'' gilt bis heute als Standardwerk für dieses System. Er wies in Vergleichsversuchen nach, dass Völker in der stark isolierenden Styroporbeute im Frühjahr eine schnellere Entwicklung zeigen als in Holzbeuten. | ||
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* '''Material:''' Hochverdichteter Styropor-Hartschaum. Dieser bietet eine exzellente Wärmedämmung, ist leicht (eine leere Zarge wiegt ca. 1,6 kg) und fäulnisbeständig. | * '''Material:''' Hochverdichteter Styropor-Hartschaum. Dieser bietet eine exzellente Wärmedämmung, ist leicht (eine leere Zarge wiegt ca. 1,6 kg) und fäulnisbeständig. | ||
* '''Maße:''' Die Zarge ist quadratisch (Außenmaß 50 × 50 cm) und nimmt 11 Rähmchen im Deutsch-Normal-Maß auf. Durch die quadratische Form ist sowohl der '''Warmbau''' als auch der '''Kaltbau''' möglich. | * '''Maße:''' Die Zarge ist quadratisch (Außenmaß 50 × 50 cm) und nimmt 11 Rähmchen im Deutsch-Normal-Maß auf. Durch die quadratische Form ist sowohl der '''[[Warmbau]]''' als auch der '''[[Kaltbau]]''' möglich. | ||
* '''Kompatibilität:''' Das System ist modular aufgebaut. Es gibt verschiedene Bodenvarianten (Hochboden, Flachboden), Fütterer und Zargenhöhen (z. B. 1,5 DNM oder Halbzargen). | * '''Kompatibilität:''' Das System ist modular aufgebaut. Es gibt verschiedene Bodenvarianten (Hochboden, Flachboden), Fütterer und Zargenhöhen (z. B. 1,5 DNM oder Halbzargen). | ||
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Bei der Einführung der Segeberger Beute gab es andere Kunststoffsysteme, die um die Gunst der Imker warben: | Bei der Einführung der Segeberger Beute gab es andere Kunststoffsysteme, die um die Gunst der Imker warben: | ||
* '''Melporitbeute:''' Eine frühe Kunststoffbeute, die jedoch dünnwandiger war als die Segeberger. In Praxisvergleichen (u. a. durch Schundau) stellte sich heraus, dass die dickere Wandung der Segeberger Beute (ca. 40–50 mm) deutliche Ertragsvorteile durch bessere Wärmehaltung bot, weshalb sich die Melporitbeute langfristig nicht durchsetzen konnte. | * '''[[Melporitbeute]]:''' Eine frühe Kunststoffbeute, die jedoch dünnwandiger war als die Segeberger. In Praxisvergleichen (u. a. durch Schundau) stellte sich heraus, dass die dickere Wandung der Segeberger Beute (ca. 40–50 mm) deutliche Ertragsvorteile durch bessere Wärmehaltung bot, weshalb sich die Melporitbeute langfristig nicht durchsetzen konnte. | ||
* '''Frankenbeute:''' Ein späteres System, das ebenfalls aus Styropor besteht, aber den Vorteil bietet, verschiedene Rähmchenmaße (Zander, DNM, Dadant) in einem System zu kombinieren. | * '''[[Frankenbeute]]:''' Ein späteres System, das ebenfalls aus Styropor besteht, aber den Vorteil bietet, verschiedene Rähmchenmaße ([[Langstroth]], [[Zander]], DNM, [[Dadant]]) in einem System zu kombinieren. | ||
== Vor- und Nachteile == | == Vor- und Nachteile == | ||
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* Sehr gute Überwinterung und schnelle Frühjahrsentwicklung durch hohe | * Sehr gute Überwinterung und schnelle Frühjahrsentwicklung durch hohe Wärmedämmung. | ||
* Geringes Eigengewicht schont den Rücken des Imkers. | * Geringes Eigengewicht schont den Rücken des Imkers. | ||
* Langlebigkeit (30–40 Jahre sind bei entsprechendem Schutzanstrich keine Seltenheit). | * Langlebigkeit (30–40 Jahre sind bei entsprechendem Schutzanstrich keine Seltenheit). | ||
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* Das Material ist weicher als Holz; Bienen können es annagen ( | * Das Material ist weicher als Holz; Bienen können es annagen ([[Propolisierung]] erschwert das Lösen der Zargen). | ||
* Specht- und Mäuseschäden treten häufiger auf als bei Holzbeuten. | * Specht- und Mäuseschäden treten häufiger auf als bei Holzbeuten. | ||
* Entsorgung von altem Styropor ist ökologisch aufwendiger als bei Naturmaterialien. | * Entsorgung von altem Styropor ist ökologisch aufwendiger als bei Naturmaterialien. | ||
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== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||
Version vom 26. April 2026, 20:16 Uhr
Segeberger Kunststoff-Magazinbeute
Die Segeberger Kunststoff-Magazinbeute, im Imkerjargon meist kurz Segeberger Beute genannt, ist ein im deutschsprachigen Raum weit verbreitetes Beutensystem aus hartgeschäumtem Polystyrol (Styropor). Sie wurde speziell für das Deutsch-Normal-Maß (DNM) entwickelt und gilt als die meistgenutzte Kunststoffbeute in Deutschland.
Geschichte und Entstehung
Die Entwicklung der Segeberger Beute begann Ende der 1960er Jahre. Zu dieser Zeit suchten Imker und Verbände nach einer leichten, witterungsbeständigen und gut isolierten Alternative zu den bis dahin dominierenden Hinterbehandlungsbeuten aus Holz oder Stroh sowie den schweren Holzmagazinen.
Erfinder und Akteure
Maßgeblich beteiligt an der Entwicklung und Popularisierung waren Horst Petersen und Werner Schundau.
- Horst Petersen, der damalige Leiter der Imkerschule Bad Segeberg, gab den Anstoß für die Konstruktion einer modernen Magazinbeute, die den klimatischen Bedingungen Norddeutschlands gerecht werden sollte. Nach dem Standort der Schule erhielt die Beute ihren Namen.
- Werner Schundau (1913–1997) gilt als der „Vater der Segeberger Beute“. Er verfeinerte das Konzept und entwickelte die dazugehörige Betriebsweise. Sein Fachbuch „So imkern wir in der Segeberger Kunststoff-Magazinbeute“ gilt bis heute als Standardwerk für dieses System. Er wies in Vergleichsversuchen nach, dass Völker in der stark isolierenden Styroporbeute im Frühjahr eine schnellere Entwicklung zeigen als in Holzbeuten.
Baujahr und Markteinführung
Die Serienproduktion der Segeberger Beute startete im Jahr 1971. Sie wurde anfänglich im Auftrag des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker produziert. Durch die industrielle Fertigung konnten hohe Stückzahlen bei gleichbleibender Passgenauigkeit erreicht werden. Bis 1983 wurden bereits über 110.000 Zargen verkauft.
Konstruktion und Merkmale
Die Beute ist als Magazinbeute konzipiert, bei der die Zargen (Brut- und Honigräume) einfach übereinandergesetzt werden.
- Material: Hochverdichteter Styropor-Hartschaum. Dieser bietet eine exzellente Wärmedämmung, ist leicht (eine leere Zarge wiegt ca. 1,6 kg) und fäulnisbeständig.
- Maße: Die Zarge ist quadratisch (Außenmaß 50 × 50 cm) und nimmt 11 Rähmchen im Deutsch-Normal-Maß auf. Durch die quadratische Form ist sowohl der Warmbau als auch der Kaltbau möglich.
- Kompatibilität: Das System ist modular aufgebaut. Es gibt verschiedene Bodenvarianten (Hochboden, Flachboden), Fütterer und Zargenhöhen (z. B. 1,5 DNM oder Halbzargen).
Konkurrenzprodukte und Marktumfeld
Bei der Einführung der Segeberger Beute gab es andere Kunststoffsysteme, die um die Gunst der Imker warben:
- Melporitbeute: Eine frühe Kunststoffbeute, die jedoch dünnwandiger war als die Segeberger. In Praxisvergleichen (u. a. durch Schundau) stellte sich heraus, dass die dickere Wandung der Segeberger Beute (ca. 40–50 mm) deutliche Ertragsvorteile durch bessere Wärmehaltung bot, weshalb sich die Melporitbeute langfristig nicht durchsetzen konnte.
- Frankenbeute: Ein späteres System, das ebenfalls aus Styropor besteht, aber den Vorteil bietet, verschiedene Rähmchenmaße (Langstroth, Zander, DNM, Dadant) in einem System zu kombinieren.
Vor- und Nachteile
Vorteile:
- Sehr gute Überwinterung und schnelle Frühjahrsentwicklung durch hohe Wärmedämmung.
- Geringes Eigengewicht schont den Rücken des Imkers.
- Langlebigkeit (30–40 Jahre sind bei entsprechendem Schutzanstrich keine Seltenheit).
Nachteile:
- Das Material ist weicher als Holz; Bienen können es annagen (Propolisierung erschwert das Lösen der Zargen).
- Specht- und Mäuseschäden treten häufiger auf als bei Holzbeuten.
- Entsorgung von altem Styropor ist ökologisch aufwendiger als bei Naturmaterialien.
Literatur
- Werner Schundau: So imkern wir in der Segeberger Kunststoff-Magazinbeute. 10. Auflage. Eigenverlag/Imkereibedarfshandel.
- Karl-Heinz Seip: Die Segeberger Beute und ihre Geschichte. In: Bienenwelt, Ausgabe 1990.