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Melporitbeute

Aus Bienen-Wiki

Melporitbeute

Die Melporitbeute (auch Melpodurbeute, Melpodur oder Melporit-Beute) ist ein historischer Typ einer Bienenbeute aus Kunststoffschaum, der vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren in Deutschland verbreitet war. Sie gilt als eine der ersten serienmäßig gefertigten Magazinbeuten aus Kunststoff und als direkter Vorläufer bzw. zeitgenössische Konkurrenz zur heute marktführenden Segeberger Beute.

Geschichte und Entstehung

Die Entwicklung der Melporitbeute fiel in eine Zeit des Umbruchs in der deutschen Imkerei. Bis in die 1950er-Jahre dominierten Hinterbehandlungsbeuten aus Holz und Strohkörbe. Mit dem Aufkommen der Magazinimkerei suchte man nach Materialien, die leichter als Holz waren und eine bessere Wärmedämmung boten.

In den frühen 1960er-Jahren experimentierten verschiedene Hersteller mit expandiertem Polystyrol (Styropor). Die Melporitbeute wurde als dünnwandiges System konzipiert, um Materialkosten zu sparen und ein extrem geringes Gewicht zu erreichen.

Erfinder und Hersteller

Hinter der Melporitbeute stand maßgeblich die Entwicklung von Kunststoffschaum-Technologien für die Landwirtschaft. In Imkerkreisen wird oft ein Bezug zu frühen Kunststoffpionieren hergestellt. Die Produktion und der Vertrieb wurden über spezialisierte Imkereifachbetriebe abgewickelt, die das Material unter dem Markennamen Melporit oder Melpodur (einem besonders harten Polystyrol-Hartschaum) vermarkteten.

Bauweise und Besonderheiten

Die Melporitbeute wurde primär für das Deutsch Normalmaß (DN) ausgelegt.

  • Material: Sie bestand aus Melporit, einem harten, feinporigen Kunststoff (EPS), der im Vergleich zu heutigen Styroporbeuten oft eine geringere Wandstärke aufwies.
  • Wandstärke: Ein charakteristisches Merkmal der Melporitbeute war die vergleichsweise geringe Wandstärke (ca. 20–30 mm). Dies unterschied sie deutlich von der späteren Segeberger Beute, die auf massive Wandstärken von rund 50 mm setzte.
  • Modularität: Wie alle Magazinbeuten bestand sie aus Boden, mehreren Zargen und einem Deckel.

Konkurrenz zur Segeberger Beute

In den späten 1960er-Jahren kam es zu einem "Systemstreit" in der norddeutschen Imkerei. An der Imkerschule Bad Segeberg wurde unter der Leitung von Imkermeister Hans-Joachim Petersen die Segeberger Beute entwickelt.

Untersuchungen, unter anderem durch den Imker Werner Wunder, ergaben Anfang der 1970er-Jahre, dass die dickwandigen Segeberger Beuten (50 mm Wandstärke) eine deutlich bessere Frühjahrsentwicklung der Völker ermöglichten als die dünnwandigeren Melporit-Modelle. Es wurde berichtet, dass Völker in der dickwandigen Konkurrenz bis zu 15 kg mehr Honig pro Jahr einbrachten. Infolgedessen verdrängte die Segeberger Beute, die 1971 in Serienproduktion ging, die Melporitbeute weitestgehend vom Markt.

Heutige Bedeutung

Heute hat die Melporitbeute fast nur noch Sammlerwert oder wird von Altimkern als "Bestandsmaterial" genutzt. Da das Material über die Jahrzehnte durch UV-Strahlung und Ameisensäurebehandlungen spröde werden kann, sind viele Exemplare bereits aus dem Betrieb ausgeschieden. Sie gilt jedoch als wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur modernen Kunststoff-Imkerei.

Literatur und Einzelnachweise

  • Wunder, Werner: Die Segeberger Kunststoff-Magazinbeute. Entstehung, Entwicklung und Betriebsweise. Eigenverlag, Bad Segeberg.
  • Historische Kataloge: Verzeichnisse von Imkereibedarf-Händlern der 1960er Jahre (z.B. Graze, Holtermann), in denen Melporit- und Melpodur-Komponenten gelistet wurden.
  • Imkerforum Nordbiene: Fachdiskussionen zur Materialbeschaffenheit und zum Vergleich zwischen Melpodur und EPS/Styropor.