Nachschwarm
Nachschwarm
Ein Nachschwarm (seltener Zweitschwarm) ist ein Bienenschwarm, der nach dem Auszug des Vorschwarms aus demselben Muttervolk austritt. Er unterscheidet sich vom Vorschwarm maßgeblich durch die Demographie der Bienen und den Status der Königin.
Biologie und Phänomenologie
Nachdem der Vorschwarm mit der alten Königin die Beute verlassen hat, verbleiben im Muttervolk verdeckelte Schwarmzellen. Nach etwa einer Woche schlüpfen die jungen, unbegatteten (jungfräulichen) Königinnen.
Wenn die Schwarmstimmung im Volk weiterhin hoch ist, hindern die Arbeiterinnen die zuerst geschlüpfte Königin daran, ihre noch in den Zellen befindlichen Rivalinnen zu töten. Stattdessen verlässt diese junge Königin zusammen mit einem weiteren Teil der verbliebenen Bienen als Nachschwarm den Stock. Da die junge Königin sehr agil und leicht ist, fliegen Nachschwärme oft wesentlich höher und weiter weg als Vorschwärme.
Ein Volk kann bei anhaltender Schwarmstimmung im Abstand von wenigen Tagen mehrere Nachschwärme (Dritter Schwarm etc.) abgeben, bis das Muttervolk personell fast vollständig erschöpft ist.
Jahreszeit
Nachschwärme treten logischerweise zeitversetzt nach den Vorschwärmen auf, meist ca. 8 bis 14 Tage nach dem Erstschwarm, mithin primär von Ende Mai bis Juli.
Imkerliche Praxis (Umgang)
- Vermeidung: Nachschwärme sind in der modernen Imkerei unerwünscht, da sie das Muttervolk so stark schwächen, dass es den Winter oft nicht überlebt. Imker verhindern Nachschwärme, indem sie nach dem Abzug des Vorschwarms alle bis auf eine Schwarmzelle im Muttervolk zerstören („Zellenbrechen“).
- Einfangen und Pflege: Da Nachschwärme deutlich kleiner sind als Vorschwärme (oft nur faust- bis kopfgroß), ist ihre Überlebenschance in freier Natur gering. Nach dem Einfangen müssen sie oft gefüttert werden. Zudem muss der Imker den Begattungsflug der jungen Königin abwarten; geht sie verloren, ist der Schwarm weisellos.
Namensherkunft
Das Präfix „Nach-“ verdeutlicht die chronologische Sequenz: Es handelt sich um den Schwarm, der dem Hauptschwarm nachfolgt.
Literatur
- Friedrich Pohl: Die Honigbiene. Biologie, Haltung, Nutzen. Kosmos, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-440-17112-7.
Einzelnachweise
- Seeley, T. D. (2010): Honeybee Democracy. Princeton University Press, S. 24–28.