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Vorschwarm

Aus Bienen-Wiki

Vorschwarm

Der Vorschwarm (auch Erstschwarm oder Hauptschwarm) bezeichnet in der Imkerei den ersten Bienenschwarm, der im Zuge der natürlichen Vermehrung (Schwärmen) ein Honigbienenvolk verlässt. Er zeichnet sich biologisch vor allem dadurch aus, dass er von der alten, bereits begatteten Königin angeführt wird.

Biologie und Phänomenologie

Wenn ein Bienenvolk im Frühjahr stark anwächst und die Kapazitätsgrenzen der Bienenwohnung erreicht werden, gerät es in „Schwarmstimmung“. Die Arbeiterinnen legen daraufhin Schwarmzellen an. Sobald die erste dieser Zellen verdeckelt wird (etwa am 9. Tag nach der Eiablage), ist der Vorschwarm startbereit.

Bei geeignetem, sonnigem Wetter verlässt etwa die Hälfte der Belegschaft zusammen mit der alten Königin fluchtartig den Bienenstock. Da die alte Königin begattet und aufgrund einer Diät der Arbeiterinnen im Vorfeld wieder flugfähig ist, zieht der Vorschwarm meist in der näheren Umgebung auf einen tief hängenden Ast. Er bildet eine charakteristische Schwarmtraube, von der aus Kundschafterinnen (Spurbienen) nach einer neuen Nistgelegenheit suchen.

Der Vorschwarm ist aufgrund der alten Königin sofort nach dem Einzug in eine neue Beute voll einsatzfähig; die Königin kann ohne Verzögerung mit der Eiablage beginnen.

Jahreszeit

Das Auftreten von Vorschwärmen ist stark an die biologische Dynamik des Frühjahrs und das Massenangebot an Tracht gekoppelt. In Mitteleuropa liegt die Hauptzeit für Vorschwärme in den Monaten Mai und Juni.

Imkerliche Praxis (Umgang)

  • Prävention: Imker versuchen Vorschwärme meist durch Raumgabe, Schröpfen (Entnahme von Brutbienen) oder das Brechen von Schwarmzellen zu verhindern, da der Abzug die Honigleistung des Muttervolkes massiv schmälert.
  • Einfangen: Hat sich ein Vorschwarm gesammelt, wird er vom Imker mittels eines Schwarmfangbeutels oder -kastens eingeschlagen, kühl kellergeschwefelt (Kellerhaft) und am Abend in eine neue Beute einlogiert.
  • Vorteil: Vorschwärme besitzen einen enormen Bautrieb. Sie können problemlos auf reines Mittelwand- oder Naturbau-Material gesetzt werden und errichten in kürzester Zeit ein neues Wabenwerk.

Namensherkunft

Der Begriff leitet sich logisch aus der zeitlichen Abfolge des Schwarmgeschehens ab. Er ist der vor allen anderen potenziellen Schwärmen eines Volkes austretende Schwarm.

Literatur

  • Gerhard Liebig: Einfach imkern. Leitfaden zum Bienenhalten. 4. Auflage. Eigenverlag, Stuttgart 2020.
  • Karl Weiß: Der Wochenend-Imker. Eine Schule für das Gärtnern mit Bienen. Kosmos, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-440-13401-6.

Einzelnachweise

  1. Tautz, J. (2007): Phänomen Honigbiene. Spektrum Akademischer Verlag, S. 142–145.
  2. Ritter, W. (2014): Bienen gesund erhalten. Ulmer Verlag, S. 68.