Heidschwarm
Heidschwarm
Als Heidschwarm wird ein Bienenschwarm bezeichnet, der Wochen zuvor bereits als Vorschwarm abgegangen ist, eine neue Behausung gefunden hat und abermals als Schwarm abgeht. Der Begriff stammt historisch aus der traditionellen Lüneburger Heideimkerei, die auf die späte Blüte der Besenheide (Calluna vulgaris) ausgerichtet war.
Biologie und Besonderheit
Im Gegensatz zur modernen Magazinimkerei, bei der Schwärme zwecks Honigmaximierung unterdrückt werden, war die historische Heideimkerei im Korb (Lüneburger Stülper) eine reine Schwarmimkerei. Die Völker wurden bewusst so geführt, dass sie sich im Frühjahr und Sommer massiv durch Vorschwärme, Nachschwärme und sogar Nach-Nachschwärme vermehrten.
Wenn sich diese im Mai/Juni gebildeten Erst- und Nachschwärme in ihren neuen Körben so rasant entwickelten, dass sie noch im selben Sommer selbst wieder schwarmbereitschaft zeigten, nannte man diese Enkel-Schwärme Heidschwärme. Biologisch gesehen handelt es sich also um Schwärme von Völkern, die im selben Jahr selbst erst als Schwarm begründet wurden.
Jahreszeit
Heidschwärme fallen außergewöhnlich spät im Bienenjahr, meist im Spätsommer (Ende Juli bis August), pünktlich zum Beginn der Heideblüte.
Imkerliche Praxis und historische Bedeutung
In der modernen Imkerei sind Heidschwärme extrem selten und wirtschaftlich unerwünscht. Ein so spät fallender Schwarm hat in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft außerhalb der Heidegebiete keine Chance mehr, genügend Wintervorräte und Winterbienen aufzubauen; er würde ohne massive Fütterung verhungern.
In der historischen Heideimkerei hingegen waren sie hochwillkommen:
- Die Heidschwärme wurden in leere Körbe eingeschlagen.
- Während der intensiven Tracht der Heideblüte im August bauten sie die Körbe rasant aus und füllten sie mit dem begehrten Heidehonig (Scheibenhonig).
- Im Herbst wurden diese späten Völker bei der Honigernte abgetrommelt (umgesiedelt) oder abgeschwefelt, da man nur wenige starke Völker überwinterte.
Namensherkunft
Der Name leitet sich direkt vom Biotop und der Trachtpflanze ab: der Heide. Er bezeichnete den Schwarm, der rechtzeitig zur Ernte in der Heide bereitstand.
Literatur
- Georg Heinrich Lehzen: Die Hauptstücke der Lüneburger Bienenzucht. Hannover 1880 (Reprint VDM Verlag, 2008).
- Karl August Ramdohr: Die Heidedorfer Bienenzucht. Nachdruck der Ausgabe von 1833.
Einzelnachweise
- Jacobi, R. (1949): Die Heideimkerei. Verlag Pfenningstorf, Berlin/Stuttgart, S. 34–41.