Apis mellifera ligustica: Unterschied zwischen den Versionen
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Die '''Italienische Biene''' (''Apis mellifera ligustica''), auch '''Italiener-Biene''' oder kurz '''Ligustica''' genannt, ist eine natürlich entstandene [[Unterart]] der [[Westliche Honigbiene|Westlichen Honigbiene]] (''[[Apis mellifera]]''). Sie gilt heute als die weltweit am häufigsten gehaltene Honigbienenrasse, was auf ihre hohe Anpassungsfähigkeit und ihre hervorragenden imkerlichen Eigenschaften zurückzuführen ist. | Die '''Italienische Biene''' (''Apis mellifera ligustica''), auch '''Italiener-Biene''' oder kurz '''Ligustica''' genannt, ist eine natürlich entstandene [[Unterart]] der [[Westliche Honigbiene|Westlichen Honigbiene]] (''[[Apis mellifera]]''). Sie gilt heute als die weltweit am häufigsten gehaltene Honigbienenrasse, was auf ihre hohe Anpassungsfähigkeit und ihre hervorragenden imkerlichen Eigenschaften zurückzuführen ist. | ||
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* '''Farbe:''' Das markanteste Merkmal sind die hellgelben bis lederbraunen Ringe (Segmente) auf dem Hinterleib. Meist zeigen sich zwei bis drei deutlich gelbe Ringe, bei manchen Zuchtlinien (wie der extrem hellen „[[Goldbiene]]“) auch mehr. | * '''Farbe:''' Das markanteste Merkmal sind die hellgelben bis lederbraunen Ringe (Segmente) auf dem Hinterleib. Meist zeigen sich zwei bis drei deutlich gelbe Ringe, bei manchen Zuchtlinien (wie der extrem hellen „[[Goldbiene]]“) auch mehr. | ||
* '''[[Scutellum]]''': Das Scutellum, also der Bügel im hinteren Bereich des Thorax, ist bei der Ligustica stets leuchtend gelb. | |||
* '''Haarkleid:''' Die [[Filzbinden]] auf den Rückenschuppen sind breit und gelblich. Das [[Überhaar]] ist kurz. | * '''Haarkleid:''' Die [[Filzbinden]] auf den Rückenschuppen sind breit und gelblich. Das [[Überhaar]] ist kurz. | ||
* '''Körperbau:''' Sie hat im Vergleich zu nördlichen Rassen längere Körperanhänge ([[Rüssel]] und Beine). Der Rüssel ist mit 6,3 bis 6,6 mm recht lang, was ihr den Zugang zu tiefer liegenden Nektarquellen (z. B. Rotklee) ermöglicht. | * '''Körperbau:''' Sie hat im Vergleich zu nördlichen Rassen längere Körperanhänge ([[Rüssel]] und Beine). Der Rüssel ist mit 6,3 bis 6,6 mm recht lang, was ihr den Zugang zu tiefer liegenden Nektarquellen (z. B. Rotklee) ermöglicht. | ||
Aktuelle Version vom 25. April 2026, 21:07 Uhr

Italienische Biene Apis mellifera ligustica (Spinola 1806)
Die Italienische Biene (Apis mellifera ligustica), auch Italiener-Biene oder kurz Ligustica genannt, ist eine natürlich entstandene Unterart der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera). Sie gilt heute als die weltweit am häufigsten gehaltene Honigbienenrasse, was auf ihre hohe Anpassungsfähigkeit und ihre hervorragenden imkerlichen Eigenschaften zurückzuführen ist.
Ursprüngliche Verbreitung
Das ursprüngliche Habitat der Apis mellifera ligustica ist die italienische Halbinsel. Dort überdauerte sie die letzte Eiszeit südlich der Alpen (mit Ausnahme Siziliens, wo die Apis mellifera siciliana heimisch ist). Die natürliche Barriere der Alpen im Norden führte zu einer genetischen Isolierung gegenüber der Dunklen Biene (A. m. mellifera) und der Kärntner Biene (A. m. carnica). Ihr Kerngebiet erstreckt sich von den Ligurischen Alpen bis nach Kalabrien.
Aussehen und Merkmale
Die Ligustica ist eine mittelgroße, schlanke Biene mit auffälliger Färbung.
- Farbe: Das markanteste Merkmal sind die hellgelben bis lederbraunen Ringe (Segmente) auf dem Hinterleib. Meist zeigen sich zwei bis drei deutlich gelbe Ringe, bei manchen Zuchtlinien (wie der extrem hellen „Goldbiene“) auch mehr.
- Scutellum: Das Scutellum, also der Bügel im hinteren Bereich des Thorax, ist bei der Ligustica stets leuchtend gelb.
- Haarkleid: Die Filzbinden auf den Rückenschuppen sind breit und gelblich. Das Überhaar ist kurz.
- Körperbau: Sie hat im Vergleich zu nördlichen Rassen längere Körperanhänge (Rüssel und Beine). Der Rüssel ist mit 6,3 bis 6,6 mm recht lang, was ihr den Zugang zu tiefer liegenden Nektarquellen (z. B. Rotklee) ermöglicht.
- Kubitalindex: Der Index liegt im Durchschnitt zwischen 2,2 und 2,5.
Eigenschaften und Verhalten
Die Ligustica zeichnet sich durch ein spezifisches biologisches Profil aus, das sie für die moderne Imkerei besonders attraktiv macht:
- Sanftmut: Sie gilt als äußerst friedfertig und ruhig auf der Wabe.
- Brutverhalten: Die Völker gehen mit einer sehr starken Volksstärke in den Winter und beginnen im Frühjahr früh mit einer massiven Bruttätigkeit, die oft bis spät in den Herbst anhält. Dies führt zu einem hohen Futterverbrauch im Winter.
- Honigleistung: Sie ist eine exzellente Sammlerin von Blütenhonigen und zeigt eine geringe Schwarmneigung.
- Wabenbau: Die Ligustica ist für ihren regelmäßigen Wabenbau und die schneeweißen Wachsdeckel bei der Honigverdeckung bekannt.
- Nachteile: Aufgrund ihres hohen Drangs zum Sammeln neigt sie bei Trachtmangel stärker zur Räuberei als andere Rassen. Auch der Verflug (Bienen fliegen in fremde Stöcke ein) ist bei ihr stärker ausgeprägt.
Geschichte und Urzüchter
Die weltweite Verbreitung der Ligustica begann Mitte des 19. Jahrhunderts.
- Wissenschaftliche Erstbeschreibung: Maximilian Spinola beschrieb die Unterart im Jahr 1806.
- Internationale Expansion: 1853 brachte der deutsche Bienenforscher August von Berlepsch die ersten Ligustica-Königinnen nach Deutschland. Fast zeitgleich wurde sie von Jan Dzierżon in Polen und 1859 von Thomas White Woodbury in England eingeführt.
- USA: Im Jahr 1859 gelangten die ersten Völker in die USA, wo sie die dort zuerst eingeführte, aber als stechlustig geltende Dunkle Biene innerhalb weniger Jahrzehnte fast vollständig ersetzten.
- Wichtige Züchter: Zu den Pionieren der Ligustica-Zucht gehören die Familie Piana (Bologna), die seit Generationen die Zucht der "Ligurischen Biene" prägt, sowie Giulio Piana, der die Selektion auf Sanftmut und Ertrag perfektionierte.
Heutige Zuchtlinien und Verbreitung
Heute wird die Ligustica global gezüchtet, wobei sich verschiedene regionale Schwerpunkte und Zuchtziele entwickelt haben:
- Italienische Linien: Die klassischen Linien (z. B. Piana) fokussieren auf die Erhaltung des ursprünglichen Typs der Halbinsel.
- Amerikanische Ligustica: In den USA wurden Linien selektiert, die extrem hell (gelb) sind und eine enorme Bruttätigkeit aufweisen, um für die Bestäubungsimkerei (z. B. Mandelblüte in Kalifornien) schnell große Völker bereitzustellen.
- Kangaroo Island (Australien): Auf dieser Insel befindet sich das weltweit einzige Schutzgebiet für die reine Ligurische Biene. Die 1884 dorthin gebrachten Bienen gelten als die letzten genetisch unverfälschten Nachfahren der ursprünglichen norditalienischen Biene, da sie dort isoliert von anderen Rassen leben.
- VSH-Ligustica: Moderne Zuchtbemühungen (u. a. in den USA und Europa) konzentrieren sich auf das Merkmal der Varroa Sensitive Hygiene (VSH), um Bienen zu selektieren, die sich aktiv gegen die Varroamilbe wehren.
Literaturhinweise
- Friedrich Ruttner: Naturgeschichte der Honigbienen. Ehrenwirth, München 1992, ISBN 3-431-03204-6.
- Brother Adam: Meine Betriebsweise: Erfolgreich imkern wie im Kloster Buckfast. Verlag Fischer, Stuttgart 2019.
- Spinola, M. (1806): Insectorum Liguriae species novae aut rariores.
- L’allevamento di api Regine: Una per tutte... tutte per una (B. Pasini, M. T. Falda).