Zanderbeute
Zanderbeute
Die Zanderbeute (auch Zander-Magazinbeute oder kurz Zander) ist ein in der Imkerei des deutschsprachigen Raums weit verbreitetes Beutensystem. Es handelt sich dabei um eine Magazinbeute, die auf dem vom Bienenforscher Enoch Zander entwickelten Rähmchenmaß basiert. Die Zanderbeute gehört zu den Oberbehandlungsbeuten, bei denen die Bearbeitung der Bienenvölker von oben erfolgt. Eine Sonderform der Zanderbeute stellt die Hohenheimer Einfachbeute dar, an deren Popularität Dr. Gerhard Liebig maßgeblich beteiligt war.
Geschichte und Entstehung
Die Entstehung der Zanderbeute ist eng mit der Person Enoch Zander (1873–1957) verknüpft, der langjähriger Leiter der Bayerischen Landesanstalt für Bienenzucht in Erlangen war. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts (etwa um 1911) suchte Zander nach einer Möglichkeit, die Imkerei zu rationalisieren und die damals vorherrschenden Hinterbehandlungsbeuten durch ein effizienteres System zu ersetzen.
Zanders Ziel war eine Beute, die einfach gebaut, leicht zu transportieren und für die Bienen biologisch vorteilhaft war. Er orientierte sich dabei an den Erkenntnissen von Lorenzo L. Langstroth, übertrug das Prinzip der stapelbaren Magazine jedoch auf ein Maß, das seiner Meinung nach besser zu den klimatischen Bedingungen Mitteleuropas und der damaligen Waldtracht passte. Die ursprüngliche „Erlanger Zanderbeute“ war eine der ersten standardisierten Magazinbeuten in Deutschland.
Bauweise und Technik
Die Zanderbeute ist eine klassische Magazinbeute, bestehend aus:
- Boden: Meist ein Gitterboden zur Varroakontrolle und Belüftung.
- Zargen: Rechteckige Kästen ohne festen Boden, die übereinandergestapelt werden. In einer Standard-Zanderzarge finden meist 10 Rähmchen Platz.
- Deckel: Ein isolierter Innendeckel und ein wetterfester Außendeckel (meist aus Blech).
Rähmchenmaß
Das entscheidende Merkmal ist das Zander-Maß. Die Außenmaße des Rähmchens betragen:
- Breite: 420 mm
- Höhe: 220 mm
- Trageohren: Die Oberträger sind 477 mm lang, wodurch die Rähmchen in der Zarge eingehängt werden.
Im Gegensatz zum weltweit dominierenden Langstroth-Maß ist das Zander-Rähmchen etwas schmaler und höher. Es wird im sogenannten Kaltbau (Rähmchen hängen rechtwinklig zum Flugloch) betrieben, was die Belüftung fördert.
Material
Ursprünglich aus Massivholz gefertigt (meist Weymouthskiefer), werden Zanderbeuten heute auch aus Hartschaum (Styropor bzw. Polyurethan) hergestellt, was Vorteile bei der Isolierung und dem Gewicht bietet.
Verbreitung
Die Zanderbeute ist vor allem in Süddeutschland, Österreich und Teilen der Schweiz das dominierende System. Besonders Erwerbsimker und ambitionierte Freizeitimker nutzen das System aufgrund der einfachen Handhabung (beide Hände frei beim Arbeiten von oben) und der guten Stapelbarkeit bei Wanderungen in verschiedene Trachten. In Norddeutschland ist hingegen das Deutschnormmaß (DNM) stärker verbreitet.
Konkurrenzprodukte und Vergleiche
Die Zanderbeute steht in ständigem Wettbewerb mit anderen Systemen:
- Langstrothbeute: Das weltweite Standardmaß. Langstroth-Rähmchen sind flacher (232 mm x 448 mm). Da die Maße ähnlich sind, gibt es heute oft „modifizierte Zanderbeuten“ (z. B. nach Liebig), deren Zargenaußenmaße mit Langstroth-Zargen kompatibel sind.
- Dadant-Beute: Hier wird ein ungeteiltes Brutraum-System verwendet (sehr großes Bruträhmchen, flache Honigräume). Verfechter von Dadant kritisieren an Zander oft das „Zweiraum-Brut-System“, bei dem die Königin über zwei Zargen brütet.
- Deutschnormmaß (DNM): Das quadratische Maß (370 x 223 mm), das vor allem in Hinterbehandlungsbeuten seinen Ursprung hat, aber auch als Magazin geführt wird.
Vor- und Nachteile
Vorteile:
- Standardisierung: Zubehör (Schleudern, Absperrgitter) ist überall im Fachhandel erhältlich.
- Gute Ergonomie: Die Magazine sind auch gefüllt noch von einer Person tragbar.
- Modularität: Brut- und Honigraumrähmchen sind identisch, was die Wabenhygiene vereinfacht.
Nachteile:
- Der Brutraum ist bei starken Völkern auf einer Zarge zu klein, was das Arbeiten mit zwei Brutraumzargen (und damit das Verschieben von Zargen) nötig macht.
- Keine weltweite Kompatibilität im Vergleich zu Langstroth.
Literatur
- Enoch Zander: Der Bau der Bienenwohnung. (Mehrere Auflagen ab 1911).
- Gerhard Liebig: Einfach imkern. Leitfaden zum Bienenhalten. 3. Auflage. Eigenverlag, Stuttgart 2011.
- Friedrich Pohl: Die Beutenwahl. Kosmos Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-440-12154-2.
Einzelnachweise
Weblinks
- Deutscher Imkerbund e.V. – Informationen zu Beutensystemen https://deutscherimkerbund.de
- Landesanstalt für Bienenkunde (Universität Hohenheim) – Tipps zur Betriebsweise auf Zander https://bienenkunde.uni-hohenheim.de