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Hohenheimer Einfachbeute

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Version vom 15. Mai 2026, 20:55 Uhr von Admin (Diskussion | Beiträge) (Erstellt)
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Hohenheimer Einfachbeute

Die Hohenheimer Einfachbeute (häufig auch als Liebig-Beute, Dr.-Liebig-Beute oder Zanderbeute nach Liebig bezeichnet) ist ein in Deutschland und im deutschsprachigen Raum weit verbreiteter Typ der Magazinbeute für die Haltung von Honigbienen. Sie wurde speziell für das Rähmchenmaß nach Prof. Dr. Enoch Zander entwickelt.

Entstehung und Geschichte

Die Beute wurde in den 1980er Jahren von Dr. Gerhard Liebig an der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim entwickelt. Ziel der Entwicklung war es, eine Bienenwohnung zu schaffen, die den Anforderungen einer rationellen, einfachen und kostengünstigen Imkerei entspricht.

Hintergrund war die Überzeugung Liebigs, dass nicht die Komplexität der Beute über den imkerlichen Erfolg entscheidet, sondern die biologische Führung des Volkes. Zu jener Zeit waren viele Beutensysteme durch komplizierte Falze, Isolierungen oder spezielle Verschlüsse teuer in der Anschaffung und schwer zu reinigen. Die Hohenheimer Einfachbeute sollte als Gegenmodell fungieren, das Imker auch ohne teure Spezialmaschinen selbst bauen können.

Bauweise und Merkmale

Die Hohenheimer Einfachbeute zeichnet sich durch eine konsequente Reduktion auf das Wesentliche aus.

Material und Konstruktion

  • Holzbauweise: Die Beute wird in der Regel aus 20 mm oder 22 mm starkem Massivholz (meist Fichte, Tanne oder Weymouthskiefer) gefertigt. Auf eine künstliche Isolierung (Doppelwandigkeit) wird bewusst verzichtet, da die Winterhärte der Bienen laut Liebig nicht von der Wandstärke der Beute abhängt.
  • Falzlosigkeit: Ein entscheidendes Merkmal ist, dass die Zargen (Brut- und Honigräume) keine Falze besitzen. Sie werden stumpf aufeinandergesetzt. Dies verhindert das Zerquetschen von Bienen beim Aufsetzen der Zargen und vereinfacht die Reinigung (Abkratzen von Propolis).
  • Rutschenschutz: Um ein Verrutschen der Zargen beim Transport (Wandern) zu verhindern, sind meist einfache Rutschleisten an den Unterseiten der Zargen angebracht.
  • Griffleisten: Statt eingefräster Griffmulden werden meist einfache, angeschraubte Holzleisten verwendet, was den Selbstbau erleichtert.

Komponenten

Ein Standard-Set der Hohenheimer Einfachbeute besteht aus:

  1. Gitterboden: Ein hoher Boden mit einem großflächigen Edelstahlgitter zur Belüftung und zur Diagnose des Varroabefalls (mittels Windel).
  2. Zargen: In der Regel drei bis vier Zargen pro Volk.
  3. Innendeckel: Ein einfacher Holzdeckel, der oft mit einer Isolierplatte (z.B. Weichfaserplatte) kombiniert wird.
  4. Außendeckel: Eine Blechhaube zum Schutz gegen Witterungseinflüsse.

Rähmchenmaß

Die Beute ist für das Zander-Maß (420 × 220 mm) ausgelegt. Eine Zarge fasst genau 10 Rähmchen. Die Rähmchen hängen in der Regel auf einfachen Metallschienen oder direkt auf dem Holzfalz. Dr. Liebig empfiehlt die Verwendung von Rähmchen mit langen Ohren (Länge des Oberträgers 477 mm), da diese ein einfacheres Greifen ermöglichen.

Verbreitung und Bedeutung

Die Hohenheimer Einfachbeute ist heute eine der meistgenutzten Beutenformen in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. Ihre Popularität verdankt sie maßgeblich dem Fachbuch „Einfach imkern“ von Gerhard Liebig, das als Standardwerk für Hobby- und Erwerbsimker gilt. Viele Imkereibedarfshändler führen die „Liebig-Beute“ als festes Lagerprodukt.

Die Beute ist besonders bei Anhängern der „Einfach-Imkerei“ beliebt, da sie durch das Zandermaß eine gute Handhabbarkeit (Gewicht der Honigräume) mit einer effizienten Völkerführung verbindet.

Konkurrenzprodukte und Alternativen

  • Dadant-Beute: Im Gegensatz zur Einfachbeute nutzt Dadant einen ungeteilten (großen) Brutraum. Während bei Zander mit zwei Bruträumen gearbeitet wird (Zargen-Management), erfolgt bei Dadant die Führung über Schiede im Einzelraum.
  • Deutsch Normalmaß (DNM): Vor allem in Nord- und Mitteldeutschland verbreitet. Es gibt ähnliche „Einfachbeuten“ für DNM (z.B. die Liebig-DN-Beute), die nach denselben Prinzipien konstruiert sind.
  • Segeberger Beute: Eine Kunststoffbeute (Styropor) für DNM. Sie bietet eine bessere Isolierung, ist jedoch aufgrund des Materials unter ökologischen Gesichtspunkten und wegen der Reinigung (Propangasbrenner nicht möglich) umstritten.
  • Langstroth-Beute: Das weltweit am meisten verbreitete Maß. Die Konstruktion der Hohenheimer Einfachbeute ist stark an die klassische Langstroth-Beute angelehnt, jedoch auf das Zander-Maß angepasst.

Kritik und Diskussion

Kritiker der Einfachbeute bemängeln gelegentlich die fehlende Isolierung im Frühjahr, was zu einem langsameren Aufbau der Völker führen könne. Wissenschaftliche Untersuchungen der Landesanstalt Hohenheim konnten jedoch zeigen, dass die Volksentwicklung in Holzbeuten ohne Isolierung für die hiesigen Breitengrade absolut ausreichend ist. Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Arbeit mit zwei Bruträumen bei Zander, die manche Imker gegenüber dem ungeteilten Brutraum (Dadant) als arbeitsintensiver empfinden.

Literatur

  • Gerhard Liebig: Einfach imkern. Leitfaden zum Bienenhalten ohne viel Aufwand und Theorie. 4. Auflage. Eigenverlag, Stuttgart 2020.
  • Friedrich Pohl: Beuten und Zubehör. Die wichtigsten Imkereigeräte selbst bauen und reparieren. Kosmos, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-440-14282-0.

Einzelnachweise

  1. Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim: Bauanleitung Hohenheimer Einfachbeute.
  2. Gerhard Liebig: Die Zanderbeute nach Liebig – ein Erfolgsmodell. In: Deutsches Bienen-Journal.
  3. Vergleichsuntersuchungen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) zu Beutensystemen.