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Beute

Aus Bienen-Wiki
Alte Beute im LAVES Bieneninstitut Celle

Beute (Imkerei)

Als Beute (auch Bienenbeute oder Bienenwohnung) wird in der Imkerei die künstliche Behausung eines Honigbienenvolkes bezeichnet. Ist diese Behausung von einem Bienenvolk besiedelt, spricht man umgangssprachlich und historisch auch von einem Bienenstock, in der Imkerfachsprache traditionell vom Bien.

Im Laufe der Jahrtausende wandelte sich die Beute von einer reinen Nutzung natürlicher Höhlungen über den unbeweglichen Stabilbau (z. B. Strohkörbe) hin zu hochgradig modularen, standardisierten Magazinbeuten mit beweglichen Rähmchen (Mobilbau). Die Wahl des Beutentyps bestimmt maßgeblich die imkerliche Betriebsweise, den Ertrag und den Arbeitsaufwand.

Etymologie

Das Wort Beute leitet sich vom mittelniederdeutschen Begriff būte ab, was ursprünglich ein hölzernes Gefäß, einen Trog oder ein ausgehöhltes Fass bezeichnete. In der Zeidlerei (Waldimkerei) bezeichnete man damit die in die Bäume gehauenen künstlichen Nisthöhlen (Klotzbeuten). Der Begriff ging später auf alle Formen von künstlichen Bienenbehausungen über.

Geschichte und Entwicklung

Urgeschichte und Antike

In der Urgeschichte nutzten Menschen die natürlichen Nisthöhlen von Wildbienen in hohlen Baumstämmen. Mit dem Übergang zur Sesshaftigkeit begann die gezielte Haltung. Die ältesten archäologischen Funde von Bienenbeuten stammen aus dem alten Ägypten und dem Nahen Osten (z. B. Tel Rehov, ca. 900 v. Chr.). Dabei handelte es sich um waagerecht übereinandergestapelte Tonröhren oder Röhren aus getrocknetem Schlamm und Stroh. Die Honigernte erfolgte meist von der Rückseite der Röhre, während das Volk erhalten blieb.

Mittelalter: Zeidlerei und Korbimkerei

Im europäischen Raum entwickelten sich zwei Hauptlinien:

  1. Waldimkerei (Zeidlerei): Im waldreichen Raum (z. B. Deutschland, Polen) wurden Nisthöhlen in lebenden Bäumen in mehreren Metern Höhe angelegt und mit einem Holzbrett verschlossen. Später wurden diese Stammstücke ausgesägt und bodennah aufgestellt – die Geburtsstunde der Klotzbeute.
  2. Korbimkerei: Im waldarmen Raum (z. B. Heidegebiete in Norddeutschland) etablierte sich die Korbimkerei. Die Beuten (Bienenkörbe oder Lüneburger Stülper) wurden aus Stroh gewebt und oft mit Kuhdung wetterfest beschichtet.

Sowohl Klotzbeuten als auch Körbe basierten auf dem Stabilbau: Die Bienen kitteten die Waben direkt an die Wände der Behausung. Für die Honigernte mussten die Waben herausgeschnitten werden, was oft zur Zerstörung des Wabenwerks oder zum Abs Schwefeln (Töten) des Volkes führte.

Der Weg zum Mobilbau (19. Jahrhundert)

Die Revolutionierung der Imkerei im 19. Jahrhundert ist untrennbar mit der Erfindung des Mobilbaus verbunden, bei dem Bienen ihre Waben in herausnehmbare Holzrahmen (Rähmchen) bauen.

  • Petro Prokopowytsch (1814): Der ukrainische Imker erfand die erste Beute mit einem beweglichen Wabenrahmen-System, das allerdings noch unvollständig war.
  • Johann Dzierzon (1838/1845): Der schlesische Pfarrer entdeckte den freien Wabenbau an hölzernen Oberträgern (Speiler). Er erfand den Blätterstock, eine Beute, bei der die Waben wie die Seiten eines Buches von hinten herausgezogen werden konnten.
  • Lorenzo L. Langstroth (1851): Der US-amerikanische Pastor entdeckte den sogenannten Bee Space (Bienenabstand). Er stellte fest, dass Bienen Zwischenräume von 6 bis 9 mm weder zubauen noch mit Kittwachs (Propolis) verschließen. Auf dieser Basis patentierte Langstroth im Oktober 1852 die moderne Magazinbeute mit von oben frei hängenden Rähmchen.
  • August von Berlepsch (1853): Er entwickelte Dzierzons System weiter und fügte den Rähmchen Seitenteile hinzu, wodurch der Mobilbau im deutschsprachigen Raum populär wurde.

20. Jahrhundert: Hinterbehandlungsbeute vs. Magazin

Im 20. Jahrhundert spaltete sich die Imkerwelt im deutschsprachigen Raum:

  • In Westdeutschland und der DDR dominierten lange Zeit Hinterbehandlungsbeuten (z. B. der Normbeute 52), die in Bienenhäusern untergebracht waren. Die Waben wurden von hinten mit einer Zange herausgezogen.
  • Ab den 1970er Jahren setzte sich, maßgeblich vorangetrieben durch Imker wie Karl Kieß und Heinz Lorenz, auch in Europa die Magazinbeute (Oberbehandlungsbeute) im Freistand durch, da sie eine rationellere und rückenschonendere Betriebsweise erlaubte.

Bauweisen und Bautypen

Moderne Bienenbeuten lassen sich nach der Richtung der Bearbeitung und dem modularen Aufbau in drei Hauptkategorien einteilen:

1. Magazinbeuten (Oberbehandlungsbeuten)

Sie bestehen aus modular übereinandergestapelten bodenlosen Kästen (Zargen).

  • Aufbau: Ein Gitterboden mit Flugloch, eine oder mehrere Brutraumzargen, ein Absperrgitter, ein oder mehrere Honigraumzargen sowie ein Innendeckel und ein wetterfestes Außendach.
  • Vorteile: Beliebig erweiterbar, einfache Honigernte durch das Aufsetzen neuer Zargen, ergonomische Bearbeitung von oben. Die Waben hängen im sogenannten Kaltbau (rechtwinklig zum Flugloch) oder Warmbau (parallel zum Flugloch).

Hier findet die Entwicklung des Volkes nicht vertikal, sondern horizontal statt. Brut- und Honigraum liegen auf einer Ebene hintereinander.

  • Beispiele: Top Bar Hive (Oberträgerbeute, oft im afrikanischen Raum oder in der Wesensgemäßen Imkerei genutzt), Golz-Beute, Bienenkiste.
  • Vorteile: Kein Heben schwerer Zargen notwendig, ideal für Hobby- und Freizeit-Imker.

3. Hinterbehandlungsbeuten

Feste Schränke, meist fest verbaut in einem Bienenhaus oder Wanderwagen. Die Bearbeitung erfolgt von hinten. Sie spielen in der modernen Erwerbsimkerei aufgrund des hohen Arbeitsaufwands kaum noch eine Rolle.

  • Beispiele: Blätterstock (Waben hängen in 2 oder 3 Etagen längs zum Flugloch), Auszugsbeuten (Waben hängen quer zum Flugloch und sind auf Schlitten herausziehbar), Kuntzsch-Hinterbehandlungsbeute (Waben im Kuntzsch-Maß hängen quer zum Flugloch), Normbeute 52 (populär in der damaligen DDR), Kuntzsch-Zwillinge und viele andere.

Materialien

  • Holz: Der traditionelle Werkstoff (meist Weymouthskiefer, Fichte oder Lärche). Es sorgt für ein natürliches Feuchtigkeitsklima in der Beute, ist aber schwerer und witterungsanfälliger.
  • Kunststoff (Styropor / Hartpolyurethan): Beliebt bei Magazinbeuten (z. B. Segeberger Beute). Vorteile sind das sehr geringe Gewicht und die hervorragende Wärmedämmung, was die Frühlingsentwicklung des Volkes beschleunigt.

Rähmchenmaße im deutschsprachigen Raum

Da die Erfinder des Mobilbaus regional autark arbeiteten, existiert heute eine verwirrende Vielfalt an standardisierten Rähmchenmaßen (Außenmaße des Holzrahmens). Die wichtigsten im mitteleuropäischen Raum sind:

Maßbezeichnung Breite × Höhe (mm) Verbreitung / Anmerkung
Deutsch Normalmaß (DNM) 394 × 223 Weit verbreitet in Nord- und Mitteldeutschland.
Zander 420 × 220 Entwickelt von Enoch Zander; Standardmaß in Süddeutschland und Österreich.
Langstroth 448 × 232 Das weltweit am häufigsten genutzte Maß (Globaler Standard).
Dadant (US / modifiziert) 448 × 285 Großraumbeute nach Charles Dadant; modifiziert durch Bruder Adam. Großer Brutraum, flachere Honigräume.
Kuntzsch-Breitwabe 330 × 250 Häufig in alten Hinterbehandlungsbeuten zu finden.

Siehe auch

Literatur

  • Karl Kieß: Bauanleitung für das Zandermagazin. Kompatibles System. Eigenverlag der Arbeitsgemeinschaft der Magazinimker e.V., 3. Auflage 2000.
  • Friedrich Ruttner: Naturgeschichte der Honigbienen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1992, ISBN 3-440-09125-2.
  • Jürgen Tautz: Phänomen Honigbiene. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-8274-1845-6.

Einzelnachweise

  1. Duden online: Beute, die, Herkunft und Bedeutung.
  2. Friedrich Ruttner: Naturgeschichte der Honigbienen. Stuttgart 1992, S. 45–48.
  3. Lorenzo L. Langstroth: Langstroth on the Hive and the Honey-Bee. 1853 (Originalausgabe des Patents).
  4. Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG): Die Qual der Wahl – die Beute. S. 2–5.
  5. BeeVenture Imkerportal: Bienenbeuten und ihre Maße im Vergleich. Abgerufen am 16. Mai 2026.