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Gottfried Goetze

Aus Bienen-Wiki

Gottfried Goetze

Gottfried Karl Ludwig Goetze (* 1898 in Bonn; † 1965 ebenda) war ein bedeutender deutscher Bienenforscher, Professor für Bienenkunde an der Universität Bonn und eine zentrale Figur der deutschen Bienenzucht im 20. Jahrhundert. Er gilt als Wegbereiter der morphometrischen Rassenbestimmung bei Honigbienen und war maßgeblich an der Etablierung der Carnica-Biene in Deutschland beteiligt.

Leben und Werdegang

Gottfried Goetze wurde 1898 in Bonn geboren. Nach seiner Schulzeit absolvierte er ein Studium der Landwirtschaft (Diplom-Landwirt) und der Zoologie. Im Jahr 1927 promovierte er in Berlin mit einer zoologischen Arbeit.

Seine berufliche Laufbahn in der Bienenkunde begann 1925 als Leiter der Lehr- und Versuchsimkerei in Landsberg an der Warthe. Im Jahr 1932 übernahm er die Leitung der neu gegründeten Rheinischen Lehr- und Versuchsanstalt für Bienenzucht in Mayen, heute Fachzentrum Bienen und Imkerei Mayen.

Ab 1936 war Goetze als Lehrbeauftragter an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn tätig. Während der Zeit des Nationalsozialismus nahm Goetze eine einflussreiche Position ein. Ab 1942 fungierte er als Reichskörmeister und leitete die „Reichskörstelle“ für Imker in Mayen bzw. am Institut für Tierphysiologie in Bonn. In dieser Funktion war er für die zentrale Ausrichtung der deutschen Bienenzucht verantwortlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er dort zum außerordentlichen Professor ernannt. 1952 gründete er das „Institut für landwirtschaftliche Zoologie und Bienenkunde“ der Universität Bonn, das seinen Sitz auf Gut Melb bezog. Er leitete die Bienenforschung in Bonn bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1964/1965.

Wissenschaftliches Wirken

Goetzes wissenschaftlicher Fokus lag auf der Rassenkunde, der Züchtung und der Bestäubungsleistung von Honigbienen.

Züchterisches Engagement und Rassenkunde

Goetze entwickelte präzise Methoden zur Unterscheidung von Bienenrassen anhand körperlicher Merkmale (Morphometrie). Er führte Kennzahlen wie den Cubitalindex (Flügelgeäder), die Haarlänge (Überhaar), den Fersenindex sowie die Rüssellänge und Chitinfarbe als Standard für die Zuchtauslese (Körung) ein.

Während seiner Zeit in Mayen und Bonn konzentrierte er sich insbesondere auf die Selektion der Carnica-Biene (Apis mellifera carnica). Er vertrat die Ansicht, dass diese Rasse der einheimischen Dunklen Biene (Apis mellifera mellifera) in Bezug auf Honigertrag und Sanftmut überlegen sei. Seine Arbeiten bildeten die wissenschaftliche Grundlage für die sogenannte „Verdrängungszucht“, durch die die Carnica zur dominierenden Biene im deutschsprachigen Raum wurde.

Bestäubung und Krankheitsforschung

Ein weiterer Schwerpunkt seines Wirkens war die Bedeutung der Honigbiene für den Obst- und Ackerbau. Er erforschte die Bestäubungseinrichtungen von Obstbäumen und die gezielte Bestäubung von Rotklee. Zudem befasste er sich intensiv mit Bienenkrankheiten, insbesondere der Nosemose.

Auszeichnungen und Titel

  • Reichskörmeister: Höchster Titel für die Zuchtaufsicht im Deutschen Reich (ab 1942).
  • Professor an der Universität Bonn: Zunächst Lehrbeauftragter, später außerordentlicher Professor.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Imkerliche Züchtungspraxis (1949/1950)
  • Leitfaden der Bienenzucht (1950)
  • Imkerliche Zuchtgrundlagen (1951)
  • Die Bestäubungseinrichtungen der Obstbäume und Beerenfrüchte und ihre Bedeutung für die Imkerei
  • Zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften wie Der Deutsche Imkerführer und dem Archiv für Bienenkunde.

Literatur und Einzelnachweise

  • Steffen Rückl: Ludwig Armbruster – ein von den Nationalsozialisten 1934 zwangspensionierter Bienenkundler. Dokumentation der Humboldt-Universität zu Berlin (enthält biografische Details zu Goetze im Kontext der NS-Zeit).
  • Deutscher Imkerbund e.V.: 100 Jahre Deutscher Imkerbund – Eine Chronik zum Jubiläum..
  • Universität Bonn: Geschichte der Bienenkunde am Standort Bonn..
  • Geert Staemmler: Die Geschichte der Bienenzucht im Nationalsozialismus. Brill.